Bildungslandschaft: Vereinigtes Königreich (Großbritannien)

  1. Indikatoren für Bildung
  2. Schulen und Hochschulen
  3. Berufliche Bildung

Indikatoren für Bildung

Indikator

Vereinigtes Königreich (Großbritannien)

Deutschland

OECD-Gesamt

Stand

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: Bildung insgesamt [Prozent]

6,2

4,2

5,0

2015

Wachstum des Bildungsanteils am BIP (Differenz des BIP-Bildungsanteils zu dem des Vorjahres in Prozentpunkten) [Prozent]

-0,4

-0,1

-0,2

2015

Bildungsanteil am Bruttoinlandsprodukt: tertiäre Bildung [Prozent]

1,9

1,2

1,5

2015

Öffentlicher Anteil an den Ausgaben für tertiäre Bildung [Prozent]

25

83

66

2015

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender aus dem Land [Prozent]*

2

4

2

2016

Anzahl Studierender im Tertiärbereich insgesamt [Mio.]

2,387

3,043

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Studierender im Land [Prozent]**

18

8

6

2016

Anzahl Promovierender insgesamt

113.003

197.000

k.A.

2016

Anteil internationaler abschlussorientierter Promovierender im Land [Prozent]**

43

9

26

2016

Anteil 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Tertiärbereich [Prozent]

52

31

44

2017

Anteil an neuen Studienabschlüssen in Mathematik, Statistik und Naturwissenschaften (Ingenieurwissenschaften) [Prozent]

14 (9)

9 (22)

6 (14)

2016

PISA-Ergebnisse: Lesen [Punktzahl (Platzierung)]

498 (21)

509 (12)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Naturwissenschaften [Punktzahl (Platzierung)]

509 (15)

509 (16)

493

2015

PISA-Ergebnisse: Mathematik [Punktzahl (Platzierung)]

492 (27)

506 (16)

490

2015

Tabelle 3: Bildungsindikatoren

Quelle: OECD - Education at a Glance 2018, UNESCO Institute for Statistics und "OECD - PISA 2015: Ergebnisse im Fokus"

* OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss im Ausland anstreben.

** OECD (UNESCO) registrieren nur diejenigen internationalen Studierenden bzw. Promovierenden, bei denen aufgrund der Aufenthaltsdauer davon auszugehen ist, dass sie einen Abschluss in dem jeweiligen Land anstreben.

       

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Schulen und Hochschulen

Die nachführenden Ausführungen zum Schulsystem in dem Vereinigten Königreich (Großbritannien) beziehen sich im Wesentlichen auf England und Wales. Das schottische Schulsystem unterscheidet sich in diversen Punkten vom englischen System,  für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Auch in Bezug auf die Hochschulen gibt es Unterschiede: so werden in Schottland für schottische und EU-Studierende („home fee status“) keine Gebühren für das Erststudium verlangt.

Bis zum 5. Lebensjahr können Kinder die freiwillige Vorschule besuchen. Ab dem zweiten Lebensjahr ist diese für Kinder aus benachteiligten Familien kostenfrei, ab dem dritten Lebensjahr für alle. Die meisten Kinder besuchen im letzten Jahr des Elementarbereiches eine Vorschule. Der Primarbereich umfasst das fünfte bis elfte Lebensjahr, der Sekundarbereich I das zwölfte bis 16.Lebensjahr und der Sekundarbereich II das 17. bis 18. Lebensjahr. Zwischen dem fünften und dem 16. Lebensjahr besteht Schulpflicht und seit 2014 gilt bis zum 18. Lebensjahr Ausbildungspflicht. Vollzeitbildung an Schulen oder Weiterbildungseinrichtungen ist für Jugendliche bis zum Alter von 19 Jahren kostenlos.

Es gibt zwei Abschlussqualifikationen, die am Ende der Schulzeit abgelegt werden können. Die erste ist das General Certificate of Secondary Education (GCSE), das planmäßig nach elf Jahren Schulbesuch am Ende der Sekundarstufe I im Alter von 16 Jahren erworben wird. Anschließend können Schülerinnen und Schüler einen Vollzeitunterricht an einer Oberstufenschule (Sixth Form Colleges) oder an einer weiterführenden Sekundarschule (College for Further Education) besuchen. Nach zwei Jahren können sie am Ende der Sekundarstufe II (Secondary School) im Alter von 18 Jahren das Certificate of Education at Advanced Level (GCE A-Level) ablegen. Gute Noten in den A-level-Prüfungsfächern sind Voraussetzung, um sich in einen entsprechenden Studiengang an der Universität einzuschreiben.

Derzeit gibt es 162 tertiäre Bildungsanbieter, die akademische Abschlüsse vergeben dürfen ("recognised bodies"). 136 davon sind in dem Hochschulverband Universities UK (UUK) zusammen geschlossen. Die autonome Unterorganisation Universities Scotland vertritt 19 Hochschuleinrichtungen aus Schottland. Die ältesten britischen Universitäten stammen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Zu ihnen gehören Oxford und Cambridge sowie St. Andrews, Glasgow und Aberdeen. Die großen City-Universitäten wurden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet. Universitäten der jüngeren Generation wurden zwischen 1960 und 1970 meist als Campus-Universitäten „auf der grünen Wiese" errichtet. Den ebenfalls in den sechziger und siebziger Jahren entstandenen Polytechnics wurde 1992 Universitätsstatus verliehen. Sie werden noch heute häufig unter dem Begriff New Universities zusammengefasst (siehe DAAD-Bildungssystemanalyse 2018).

Für den Zugang zu den Hochschulen werden bestimmte Abschlüsse des Sekundarbereichs verlangt. Offiziell gibt es keinen Numerus clausus, jedoch legt jede Hochschule grundsätzlich ihre eigenen Zulassungsbedingungen fest. Von staatlicher Seite aus überwacht seit Januar 2018 das Office for Students (OfS) den fairen Zugang, das Funktionen der Vorgänger Higher Education Funding Council for England (HEFCE) und Office for Fair Access (OFFA) übernommen hat. Die Einhaltung von Qualitätsstandards stellt die unabhängige Behörde Quality Assurance Agency (QAA) sicher.

Innerhalb dieses Rahmens sind die Hochschulen frei in der Gestaltung ihrer Ausbildungsprogramme. Nach Abschluss eines dreijährigen Studiums wird der Bachelor-Titel verliehen, als Bachelor of Arts (BA) oder Bachelor of Science (BSc). Daran kann sich ein Graduiertenstudium anschließen, dass mit dem Masters' Degree abschließt. Typischerweise beträgt die Studiendauer dafür lediglich ein Jahr,  bei einem mehr forschungsorientierten Studium auch zwei Jahre. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, nach einem dreijährigen Promotionsstudium den Doktortitel zu erlangen.

Die britische Regierung hat für dreijährige Bachelorstudiengänge in England eine Obergrenze für Studiengebühren in Höhe von mehr als 9.000 GBP je Studienjahr eingeführt. Da die meisten Universitäten die Obergrenze voll ausnutzen, ist ein Bachelorstudium auch für einheimische Studierende vergleichsweise teuer, wie ein OECD-Vergleich bestätigt. Demnach ist England Spitzenreiter bei den Studiengebühren und liegt kaufkraftbereinigt sogar noch vor den USA, für die allerdings nur ältere Daten vorliegen (OECD Education at a Glance (2018), Tabelle und Grafik). Für Postgraduiertenstudiengänge (Master und Promotion) hat die britische Regierung bisher keine Reglementierung eingeführt, hier liegt die Entscheidung über die Höhe der Studiengebühren bei den einzelnen Universitäten (siehe DAAD-Bildungssystemanalyse 2018).

Trotz der hohen Studiengebühren entscheidet sich etwa die Hälfte eines Jahrgangs für die Aufnahme eines Studiums (tertiären Bildungsgangs). Um die Studienfinanzierung zu erleichtern, vergibt die britische Regierung günstige Volldarlehen zur Studienfinanzierung, diese wurden seit Kurzem auf Postgraduiertenstudiengänge ausgeweitet.

Die zukünftige Ausgestaltung von Studiengebühren und Studienfinanzierung für einheimische und internationale Studierende ist politisch stark umstritten. Damit verbunden sind auch Auswirkungen des Brexit. Denn bisher genossen Studierende aus EU-Ländern gewisse Privilegien in Bezug auf Studiengebühren und Darlehen („home fee status“, siehe unter Bildungspolitische Zielsetzungen und Programme).

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Berufliche Bildung

Berufliche Bildung im Vereinigten Königreich fällt, wie im vorherigen Abschnitt ausgeführt, in die Kompetenz der unterschiedlichen Nationen England, Schottland, Wales und Nordirland. Der folgende Text konzentriert sich auf England. Traditionell wird berufliche Bildung („technical education“) in England ab dem Alter von 16 Jahren überwiegend in Schulen und Kollegs vermittelt. Seit einigen Jahren strebt die britische Regierung an, die Anzahl und Anteil der betrieblichen Ausbildungen („Apprenticeships“) in England deutlich zu erhöhen. Im Schuljahr 2015/16 lag die Anzahl der neu aufgenommenen betrieblichen Ausbildungen bei 503.900. Anfang Januar 2017 legte das Bildungsministerium fest, dass es im öffentlichen Sektor bis 2020 mind. 200.000 zusätzliche Apprenticeships geben soll (BQ-Portal Länderseite Großbritannien).

Im April 2017 nahm das neu gegründete Institute for Apprenticeships (IfA) seine Arbeit auf, das inzwischen in Institute for Apprenticeships and Technical Education (IfA) umbenannt wurde. Zu seinen Aufgaben gehört die Definition von Standards für betriebliche Ausbildungen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft. Außerdem trat im April 2017 ein neues Abgaben- und Fördersystem in Kraft. Unternehmen mit jährlichen Lohnkosten von mehr als drei Millionen GBP müssen eine Ausbildungsplatzabgabe („apprentice levy“) zahlen. In England wird die geleistete Abgabe den Unternehmen, anteilig an der in England gemeldeten Belegschaft und mit 10 Prozent von der Regierung bezuschusst, wieder zur Verfügung gestellt, sofern sie dies zur Finanzierung ihrer Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen beantragen. Unternehmen, die unterhalb der Lohnkostengrenze liegen und die Abgabe nicht zahlen müssen, werden gesondert gefördert und können bis zu 90 Prozent ihrer Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung erstattet bekommen.

Über die obengenannten Reformen hinaus wird auch die schulische und Kolleg-Ausbildung ab 2020 reformiert (Überblick Dokumente zur Reform der Berufsbildung 2016 sowie T-Level Action Plan, letzte Aktualisierung 2018) . Der sogenannte Sainsbury Review („Report of the Independent Panel on Technical Education“) hatte daraufhin gewiesen, dass das Land bei der Vermittlung von postsekundären Kompetenzen im internationalen Vergleich schlecht abschneidet. Ferner sei die  Berufsbildungslandschaft durch eine unüberschaubare Vielzahl von Anbietern und Abschlüssen geprägt: Im September 2015 waren insgesamt 21.000 Abschlüsse („Qualifications“) registriert, die von 158 verschiedenen Organisationen angeboten wurden. Interessenten an einer Ausbildung zum Klempner hatten z. B. die Wahl zwischen 33 Abschlüssen. Auf dieser Grundlage empfahl der Sainsbury Review eine umfassende Reform des britischen Ausbildungssystems.

Die Regierung veröffentlichte kurz danach den „Post-16 Skills Plan“, unter dem England sein Berufsbildungssystem neu aufstellt. Nach den Plänen der Regierung soll es ab dem Alter von 16 Jahren grundsätzlich die Möglichkeit geben, entweder eine betriebliche Ausbildung (Apprenticeship) oder eine zweijährige Ausbildung an einem College zu wählen, die ein Praktikum beinhaltet und die mit einem neuen Abschluss, dem sogenannte T-Level abgeschlossen wird (Level drei unter dem Regulated Qualifications Framework, RQF). Die Anzahl und Bezeichnung der T-Level-Abschlüsse wird zukünftig zentral durch die Regierung festgelegt und das Angebot von Schulen und Kollegs einer Lizenzvergabe unterworfen. Denn die Regierung teilt die Auffassung des Sainsbury Review, dass die Vielfalt der Anbieter eher zu einem Absinken der Standards geführt habe („Race to the Bottom“). Aus diesem Grund soll zukünftig je Abschluss nur eine begrenzte Anzahl von Organisationen als Anbieter zugelassen werden („exclusive licence“), die sich in einem Ausschreibungsprozess der Regierung durchsetzen müssen und dann eine zeitlich beschränkte Lizenz erhalten.

Nach Abschluss des T-Levels im Alter von 18 Jahren besteht für Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeit, weiterführende Abschlüsse auf dem Level 4 oder 5 (Diplomas) an Colleges zu erlangen. Die Abschlüsse werden in ein Register aufgenommen und die Einhaltung von Standards an den Colleges wird überwacht. Es wird erwartet, dass sich die jetzige große Anzahl der Abschlüsse nach und nach vermindert. Seit 2015 gibt es für ausgewählte Berufe auch die Möglichkeit, sich im Rahmen von sogenannten Higher Apprenticeships (Level 4 oder 5) oder von Degree Apprenticeships (Level 6) an Colleges oder Universitäten fortzubilden.

Die Reform soll ab 2020 schrittweise in Kraft treten und wird derzeit vorbereitet. Federführend ist das Institute for Apprenticeships and Technical Education (IfA), das neben den Kompetenzen für betriebliche Ausbildung (siehe oben) mittlerweile auch für berufliche Bildung an Schulen und Kollegs zuständig ist und die Reform vorantreibt.

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