StartseiteLänderOzeanienNeuseelandZusammenfassungÜberblick zur internationalen Kooperation

Überblick zur internationalen Kooperation: Neuseeland

Federführend für die internationale Bildungszusammenarbeit ist das Bildungsministerium (Ministry of Education – MOE). Internationale Studierende in Neuseeland tragen ähnlich wie in Australien durch Studiengebühren und Lebenshaltungskosten erhebliche Finanzmittel zur neuseeländischen Wirtschaft bei (aktuell 4,5 Milliarden NZD Dollar, in etwa 2,6 Milliarden Euro) und schaffen beziehungsweise erhalten 33.000 Arbeitsplätze. Die neuseeländische Regierung betont aber auch den kulturellen Gewinn in Form von erweiterten Perspektiven für die einheimischen Studierenden. Mit Hilfe der Agentur Education New Zealand (ENZ) bewirbt die Regierung den Studienort Neuseeland international (so zum Beispiel durch das Portal „Study in New Zealand“). ENZ vergibt unter anderem Stipendien an neuseeländische Studierende für Asienaufenthalte. Um das Land ähnlich wie Australien auch mittelfristig auf dem internationalen Bildungsmarkt zu positionieren, hat die neuseeländische Regierung im August 2018 eine internationale Bildungsstrategie mit einer Laufzeit bis 2030 („International Education Strategy 2018 - 2030“) angenommen.

Das Ergebnis der neuseeländischen Bemühungen war bereits vor einigen Jahren bemerkenswert. 2016 belegte Neuseeland mit 54.000 internationalen Studierenden und einem Anteil von 20 Prozent hinter Luxemburg einen Spitzenplatz unter den OECD-Ländern. Der Anteil der internationalen Promovierenden in Neuseeland lag mit 48 Prozent noch einmal mehr als doppelt so hoch (zum Vergleich: OECD-Durchschnitt: 6 (26) Prozent, Deutschland: 8 (9) Prozent). Der Anteil der neuseeländischen Studierenden, die im Ausland einen Abschluss anstrebten, lag mit 3 Prozent ebenfalls über dem OECD-Durchschnitt (siehe Bildungsindikatoren, Klick auf Grafik oben).

Acht der zehn wichtigsten Herkunftsländer liegen in Asien, darunter China und Indien an der Spitze sowie Malaysia auf Rang 5. Allerdings belegen die angelsächsisch geprägten Länder USA und Australien mit jeweils etwa 2.500 Studierenden Rang 3 und 4. Beliebteste Zielländer sind ebenfalls die Industrieländer USA, Australien, Großbritannien, Kanada und Japan (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Zu Deutschland als Zielland fehlen aktuelle Daten, nach den UNESCO-Daten von 2015 läge Deutschland als Zielland auf Rang 5.

Federführend für die internationale Forschungszusammenarbeit ist das Ministerium für Wirtschaft, Innovation und Beschäftigung (Ministry of Business, Innovation & Employment – MBIE). MBIE fördert die internationale Zusammenarbeit im Rahmen des Ende 2015 eingeführten CATALYST-Programms. Für die  Administration ist neben dem Ministerium teilweise die Royal Society of New Zealand (RSNZ) und der Health Research Council (HRC) zuständig. Das Programm umfasst 4 Projektlinien:

  • Strategic: zur Förderung strategischer Projekte in prioritären Feldern oder mit prioritären Partnerländern. Es erfolgt eine Förderbekanntmachung pro Jahr, zuletzt mit Südkorea, Australien und China.
  • Seeding: zur Anbahnung oder Ausweitung wissenschaftlicher Kontakte mit Partnern aus insgesamt 11 Ländern; 3 Förderbekanntmachungen pro Jahr.
  • Leaders: hieraus werden vor allem Individualstipendien vergeben, z. B. die Julius von Haast Fellowships für deutsche Wissenschaftler
  • Influence: hierüber wird z. B. der neuseeländische Koordinator für die Zusammenarbeit mit Deutschland finanziert.

Neuseeland unterhält Wissenschaftsbeziehungen zu einer großen Zahl an Ländern. Der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an der Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen ist in Neuseeland von 36,6 Prozent im Jahr 1996 auf 57,4 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Die Entwicklung ist damit in etwa parallel zu Deutschland verlaufen, das im selben Zeitraum eine Steigerung der internationalen Ko-Publikationsrate von 32,3 Prozent auf 49,7 Prozent verzeichnete (Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved January, 17, 2018, from http://www.scimagojr.com).

Neuseeland hat eine ganze Reihe von Abkommen zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit unterzeichnet, die jedoch nicht zwingend für eine intensive Zusammenarbeit sind. In Europa zählen dazu: Abkommen mit Deutschland (1977) sowie Frankreich und der EU (2009). In Amerika gibt es Kooperationsabkommen mit den USA (1974), Kanada, Brasilien, Argentinien, Chile und Mexiko und im Raum Asien-Pazifik mit China, Japan, (Süd-)Korea, Singapur und Australien (2017).

Großbritannien ist auch ohne ein formales Kooperationsabkommen ein wichtiger Partner Neuseelands. Die fünf wichtigsten Ko-Publikationsländer in den letzten drei Jahren waren die USA, Australien, Großbritannien, China und Deutschland (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier für den Zeitraum 2016-18). 

Die Kooperation mit Europa hat für Neuseeland (unter anderem aus historischen Gründen) hohe Priorität. Seit 2004 entsendet Neuseeland einen Wissenschaftsreferenten an seine EU-Vertretung in Brüssel. Seit 2006 wurde zusätzlich ein Bildungsreferent nach Brüssel abgeordnet. Am 16. Juli 2008 haben Neuseeland und die Europäische Gemeinschaft in Brüssel ein Abkommen über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit abgeschlossen. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Neuseeland in den Bereichen Forschung und Innovation abgerufen werden.  

  • Neuseeland konnte sich nach 2008 unter anderem am International Research Staff Exchange Scheme (IRSES) der Europäischen Kommission beteiligen. In diesem Rahmen haben sich 304 neuseeländische Forschende unter dem 7. EU-Forschugsrahmenprogramm (2007-13) in Europa aufgehalten. Diese Zusammenarbeit wird im Horizont 2020 im RISE-Programm (Research and Innovation Staff Exchange) fortgesetzt.
  • Unter dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm gab es 40 EU-Projekte mit neuseeländischer Beteiligung, davon 32 mit deutschen Partnern (Quelle: CORDIS). Bei der Zahl der beteiligten europäischen Einrichtungen lag Deutschland nach Großbritannien auf Platz 2. Die thematischen Schwerpunkte lagen in den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft, Fischerei, Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Gesundheit.
  • Von 2010-12 und 2012-15 hat die EU zwei größere Projekte gefördert: ACCESS4EU:NZ sowie das BILAT-Projekt (FRIENZ). Ziel war es jeweils, Kenntnisse über die neuseeländische Forschungslandschaft zu gewinnen sowie die Kooperation zwischen Neuseeland und Ländern der EU im Forschungs- und Innovationsbereich zu stimulieren.Weitere Projekte mit neuseeländischer und deutscher Beteiligung waren die Pazifik-Inconet Projekte PACENET und PACENET plus zur Etablierung und Förderung des bilateralen Dialogs zwischen der EU und den pazifischen Staaten.

Für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der EU und Neuseeland ist die Roadmap for EU-New Zealand S&T Cooperation auschlaggebend, die auch Forschungsprioritäten festlegt. Unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) können Forschungseinrichtungen aus Neuseeland nur in Ausnahmefällen gefördert werden und das Land hat bisher keinen eigenen Ko-Finanzierungsmechanismus eingerichtet. Neuseeland nutzt jedoch die Möglichkeit, in speziellen Fällen eine Finanzierung der EU zu erhalten: Bis September 2018 warb das Land europäische Fördergelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro ein. Unter den 38 Projekten, an denen sich Neuseeland bisher beteiligte, wies mit 19 Projekten die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank).

Unter neuseeländischer Führung ist die Global Research Alliance on Agricultural Greenhouse Gases entstanden, ein Verbund, dem mittlerweile 35 Länder, darunter auch Deutschland, angehören. Die Allianz initiiert und fördert gemeinsame Forschungsvorhaben mit dem Ziel, Treibhausemissionen durch landwirtschaftliche Prozesse zu minimieren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Wissenstransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer. Neuseeland stellt derzeit einen Großteil der Fördermittel zur Verfügung und beherbergt das Sekretariat der Organisation. 

Nach oben

Eine Initiative vom

Projektträger