StartseiteLänderAmerikaArgentinienZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Argentinien

Für Argentinien hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Als Zielland für argentinische Studierende wie auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt).

Grundlage für die Zusammenarbeit ist das Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ), das 1969 zwischen Deutschland und Argentinien geschlossen wurde. Anlässlich des 50. Jahrestages haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das argentinische Ministerium für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Technologie (MECCyT) im Frühjahr 2019 eine Vertiefung der Zusammenarbeit vereinbart. Themenschwerpunkte der Kooperation sind Bioökonomie und Biotechnologie, Medizin, Geowissenschaften und Ingenieurwissenschaften. Seit 2016 liegt zusätzlich ein besonderer Fokus auf der Meeres- und Polarforschung.

Das BMBF stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten und Workshops sowie für die Nachwuchsförderung bereit. In den letzten Jahren werden regelmäßig Förderbekanntmachungen der internationalen Abteilung veröffentlicht. Die Kooperationen werden bilateral vom BMBF und dem MECCyT finanziert. Die letzte WTZ-Bekanntmachung datiert von 2017 und fokussiert auf die begleitende Förderung von anderweitig finanzierten Forschungsvorhaben, insbesondere zu den obengenannten thematischen Schwerpunkten sowie Umweltforschung und Ingenieurwissenschaften (inkl. Informations- und Kommunikationstechnologien). 2019 wurde die Bekanntmachung aus wirtschaftlichen Gründen auf argentinischer Seite erstmalig ausgesetzt.  Eine nächste bilaterale Bekanntmachung wird für 2020 angestrebt.

Das BMBF unterstützt mit einer Fördermaßnahme in ausgewählten lateinamerikanischen Ländern den Aufbau nachhaltiger, gemeinsamer Forschungsstrukturen. Damit soll der Zugang zu Forschungsobjekten und -netzwerken sowie zu personellen und Infrastruktur-Ressourcen in Lateinamerika erleichtert und die WTZ-Vereinbarungen umgesetzt werden. Mit Argentinien wird das Thema Küstenforschung/Klimawandel über das Projekt „Dynamik des Einflusses von Eismassenverlust in den Anden auf terrestrische, limnische und marine Ökosysteme in Patagonien (Dynamo)“ unter Leitung des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) gefördert. Argentinische Partner sind das Austral-Zentrum für Wissenschaftliche Forschungen (Centro Austral de Investigaciones Científicas, CADIC-CONICET), das Argentinische Ozeanographische Institut (Instituto Argentino de Oceanografia, IADO-CONICET) und das Zentrum für Angewandte Ökologie von Neuquén (Centro de Ecología Aplicada de Neuquén, CEAN). Dazu kommt das chilenische Forschungszentrum für die Dynamik von Marinen Ökosystemen in hohen Breitengraden (Centro de Investigación Dinámica de Ecosistemas Marinos de Altas Latitude, IDEAL). Das Projekt erhält bis Ende Oktober 2019 eine Förderung für die Aufbauphase und wird aktuell evaluiert. Bei positivem Evaluationsergebnis erfolgt im Anschluss die Förderung einer dreijährigen Konsolidierungsphase.

Im Rahmen von multilateralen Public Public Partnerships (P2Ps) beteiligt sich das BMBF an Förderbekanntmachungen der ERANet-LAC/EU-CELAC-Interessengruppe (siehe vorheriger Abschnitt). Projektkonsortien, die sich um eine Förderung bewerben, müssen Forschende aus mindestens vier Ländern (darunter zwei europäische und zwei lateinamerikanische) miteinander verbinden. Im Rahmen der ersten beiden Förderbekanntmachungen von ERANet-LAC aus den Jahren 2014 und 2015 werden insgesamt 12 Projekte mit Beteiligung von deutschen und argentinischen Wissenschaftlern gefördert. Die Projekte laufen spätestens Mitte 2020 aus. Weiterhin beteiligt sich das BMBF auch an Förderbekanntmachungen des ERA-Nets “Cofund on BioTechnologies”, CoBioTech und fördert darunter aktuell mehrere multilaterale Vorhaben mit Argentinien.

Seit 2012 trägt das bi-nationale Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ-CUAA) dazu bei, bi-nationale Master- und  Promotionsstudiengänge mit Doppelabschluss zu etablieren. Grundlage des DAHZ-CUAA ist ein Ressortabkommen zwischen dem BMBF und dem argentinischen Wissenschaftsministerium. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die argentinischen Partnerorganisationen, der Nationale Interuniversitäre Rat (CIN) und die Hochschulrektorenkonferenz der Privaten Universitäten (CRUP) haben am 4. März 2015 in Buenos Aires ein deutsch-argentinisches Rahmenabkommen zur Hochschulzusammenarbeit unterzeichnet.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 298 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Argentinien aus. 70 deutsche Hochschulen kooperieren mit 76 argentinischen Hochschulen und 8 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019).

Die internationale Mobilität von und nach Argentinien wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Argentinien an 348 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 110 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 684 und 152 Geförderte aus Argentinien eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren.

Die DFG hat mit dem Nationalen Rat für wissenschaftliche und technologische Forschung (CONICET) ein Abkommen abgeschlossen, unter dem in größeren Abständen bilaterale Ausschreibungen durchgeführt werden. Unter der jüngsten breit angelegten Ausschreibung vom April 2019 können bilaterale Vorhaben in Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Sozial- und Geisteswissenschaften gefördert werden. Weiterhin ist seit 2015 das erste deutsch-argentinische DFG-GraduiertenkollegStRATEGy“ aktiv. Bis 2019 erforschen Promovierende und Post-Docs die komplexen Bildungsprozesse von Lagerstätten in Argentinien. Beteiligt sind auf deutscher Seite die Universität Potsdam, das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) Potsdam und auf argentinischer Seite die Universitäten Buenos Aires, Salta und Tucumán. Die DFG fördert das Graduiertenkolleg über eine Laufzeit von viereinhalb Jahren im Umfang von rund 4,5 Millionen Euro, während CONICET rund 2 Millionen Euro beiträgt.

Die AvH fördert Spitzenwissenschaftlerinnen  und -wissenschaftler aller Fächer und Länder, die mit Hilfe von Forschungsstipendien und -preisen in Deutschland tätig werden. 2018 vergab die AvH 17 Forschungsstipendien an Geförderte aus Argentinien. 

Für die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) ist Argentinien das wichtigste Partnerland in Lateinamerika. Die MPG beherbergte 2018 65 argentinische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 24 Projekte mit Partnern in Argentinien durch. Für viele argentinische Forschende ist die Möglichkeit, im Heimatland eine Max-Planck-Partnergruppe einzurichten, eine wichtige Motivation für die Rückkehr. Heute verfügt die MPG über mehr als 10 Partnergruppen sowie mehrere Einrichtungen in Argentinien (Portal MPG Lateinamerika - Argentinien, siehe auch unten).

Unter den Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) kooperieren insbesonders das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) Potsdam sowie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) intensiv mit Argentinien. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist mit der Nationalen Raumfahrtkommission (Comisión Nacional de Actividades Espaciales, CONAE) im Bereich alternative Energie, Fernsensoren und Raumforschung vertraglich verbunden.

Andere Bundesministerien und Bundesländer sind ebenfalls in Argentinien aktiv. 2018 ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit dem argentinischen Wissenschaftministerium (MECCyT) eine Innovationspartnerschaft zur Förderung von Forschung und Entwicklung in mittelständischen Unternehmen eingegangen. Mit Argentinien wird derzeit die zweite Ausschreibung durchgeführt (Frist: Ende November 2019). In Deutschland werden die Projekte unter dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördert, in Argentinien ist die Förderagentur ANPCyT zuständig.

Das Bayerische Hochschulzentrum für Lateinamerika (BAYLAT) an der Universität Erlangen-Nürnberg hat bereits mit CONICET gemeinsame Ausschreibungen durchgeführt, um die Anbahnung bayerisch-argentinischer Forschungskooperationen zu fördern.

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-argentinische Kooperation tragen und unterstützen:

  • DAAD-Informationszentrum Buenos Aires
  • Das 2012 gegründete binationale Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ-CUAA) verfügt sowohl in Bonn als auch in Buenos Aires über Vertretungen.
  • Mit einer Förderung des BMBF werden seit 2017 zwei Maria Sibylla Merian International Centre for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences mit Hauptsitz in Brasilien (Mecila, Fokus auf Zusammenleben unter Ungleichheitsbedingungen) und Mexiko (CALAS , Fokus auf Krisenforschung) aufgebaut. Argentinien ist an beiden Zentren beteiligt. Das CONICET-Forschungsinstitut für Geistes- und Sozialwissenschaften (IdIHCS-CONICET) an der Universidad Nacional de La Plata trägt dazu bei, die Aktivitäten von Mecila regional zu streuen und sichtbarer zu machen. An dem Kolleg CALAS beteiligt sich die Universidad San Martin (UNSAM).
  • Die Kooperation der MPG mit Lateinamerika wird seit 2014 durch ein zentrales Verbindungsbüro mit Sitz am IBioBA in Buenos Aires betreut (Oficina de Enlace para América Latina de la Sociedad Max Planck).
  • 2011 wurde das CONICET-Max-Planck-Partnerinstitut für biomedizinische Forschung in Buenos Aires eröffnet. Die spanische Bezeichnung lautet „Instituto de Investigación en Biomedicina de Buenos Aires – CONICET – Instituto Partner de la Sociedad Max Planck“ (Homepage IBioBA-CONICET-MPSP). Das Institut ist administrativ in den CONICET integriert und durch eine Kooperationsvereinbarung mit der MPG verbunden, ohne dass diese eine institutionelle Verantwortung trägt. Hintergrund ist das Interesse von CONICET, die erfolgreichen Organisationsprinzipien der MPG in ihren Institutionen modellhaft zu etablieren. Die Forschungsaktivitäten am IBioBa erfolgen in enger Kooperation mit Max-Planck-Instituten, insbesondere dem MPI für biophysikalische Chemie, Göttingen, dem MPI für Herz-und Lungenforschung, Bad Nauheim, und dem MPI für molekulare Physiologie, Dortmund.
  • Aus einer besonders fruchtbaren Kooperation einer Max Planck-Partnergruppe mit dem MPI für biophysikalische Chemie ist das Max-Planck-Labor für Strukturbiologie und biophysikalische Chemie (Laboratorio Max Planck de Biología Estructural, Quimica y Biofísica Molecular, LMPbioR) in Rosario hervorgegangen, das seit 2014 speziell zu neurodegenerativen Erkrankungen, wie Alzheimer und Parkinson, forscht. Das Laboratorium wird von der argentinischen Seite aus finanziert und arbeitet eng mit dem MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen zusammen. 2015 wurde das Laboratorium zudem zu einem CONICET-Institut zur Erforschung von pharmakologischen Wirkstoffen ernannt.
  • Die Zusammenarbeit zwischen der Universidad Nacional de San Martín (UNSAM) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist seit Jahren intensiv. Am 20. November 2018 fand die Einweihung der Helmholtz International Research School for Astroparticle Physics and Enabling Technologies (HIRSAP) in Buenos Aires statt. Die Promovierenden an der HIRSAP nutzen unter anderem die internationale Forschungsinfrastruktur Pierre-Auger-Observatorium in der Provinz Mendoza im Westen Argentiniens (siehe vorheriger Abschnitt).
  • Mitte 2015 wurde das Argentine-German Geodetic Observatory (AGGO) in La Plata eröffnet. AGGO, ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) und CONICET, ist das einzige geodätische Observatorium seiner Art in Lateinamerika. Als solches ist es Teil einer globalen Infrastruktur zur Erdbeobachtung und Aktualisierung globaler Referenzsysteme.
  • Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) betreibt seit 1994 gemeinsam mit dem Argentinischen Antarktis-Institut (IAA) das Dallmann-Labor an der argentinischen Station Carlini.

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