StartseiteLänderAsienChinaZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: China

Aus chinesischer Sicht hat die Zusammenarbeit mit Deutschland in Bildung und Forschung einen hohen Stellenwert. Sowohl als Zielland für chinesische Studierende als auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 10. Die Platzierung von Deutschland als Herkunftsland für internationale Studierende in China ist unklar, da hier internationale Vergleichszahlen fehlen. Deutschland liegt nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) nicht unter den Top 5-Herkunftsländern (siehe vorheriger Abschnitt).

Aus deutscher Perspektive belegt China als Herkunftsland für internationale Studierende seit längerem den Spitzenplatz in Deutschland. Bereits 2013 strebten über 19.000  Studierende aus China einen Abschluss in Deutschland an, 2017 waren dies 27.765 Studierende (Daten UNESCO). Als Zielland für deutsche Studierende platzierte sich China 2016 nach Umfragen von DeStatis auf Rang 6 mit 8.145 Studierenden aus Deutschland (Wissenschaft weltoffen 2019, S. 87) und somit unter den Top 10. Als Ko-Publikationsland Deutschlands für wissenschaftliche Veröffentlichungen lag China mit Rang 8 ebenfalls unter den Top 10 (Quelle: Scopus Elsevier, 2016-18).

Seit der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit im Jahr 1978 haben sich zahlreiche und weitgefächerte Kooperationen entwickelt. Die Bildungskooperation beider Länder wird durch bildungspolitische Strategiegespräche vorangetrieben, in denen es vor allem um die Themen Hochschulkooperationen, Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern geht. Bei den Reformbemühungen zur Verbesserung der beruflichen Ausbildung ist Deutschland, durch traditionell umfassende Expertise in der beruflichen Bildung, als Kooperationspartner besonders attraktiv. Die deutsch-chinesische Kooperation in der beruflichen Bildung gehört zu den Bereichen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. Seit 2011 finden regelmäßige Sitzungen der Leitungsgruppe der Deutsch-Chinesischen Allianz für Berufsbildung statt. Beteiligt sind sowohl die Wirtschaft als auch Bildungseinrichtungen.

Im Strategieprojekt VETnet fördert das Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Auslandshandelskammern (AHK) in neun Ländern mit dem Ziel, ausgewählte AHKs vor Ort als dauerhafte Ansprechpartner für die berufliche Bildung im Partnerland zu etablieren. Dafür bringen die AHKs wie zum Beispiel die AHK Shanghai vor Ort in China ihre Expertise und ihre Netzwerke ein und arbeiten vor allem daran, Unternehmen für die berufliche Bildung zu gewinnen.

Einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der 2014 beschlossenen Innovationspartnerschaft zwischen Deutschland und China leistet die im Oktober 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlichte China-Strategie. Diese bildet die Basis für die Zusammenarbeit mit China in Forschung, Wissenschaft und Bildung bis zum Jahr 2020. Derzeit ist die vom BMBF verantwortete deutsch-chinesische Forschungskooperation besonders aktiv in den Bereichen Innovationsforschung, Umwelttechnologien, Digitale Wirtschaft (Industrie 4.0), Elektromobilität, Lebenswissenschaften und Bioökonomie, sowie Meeres- und Polarforschung. . In Deutschland selbst treibt das BMBF gemeinsam mit Auswärtigem Amt und Kultusministerkonferenz den Ausbau von China-Kompetenz auf den verschiedenen Bildungsebenen voran.

Die Deutsch-Chinesische Plattform Innovation (DCPI) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Knotenpunkt für den Austausch und die Verständigung einer umfangreichen Innovationskooperation zwischen Deutschland und China entwickelt. 2011 als Dialogforum zum Erfahrungsaustausch und der Identifizierung gemeinsamer Anknüpfungspunkte in der Innovationsforschung und Innovationspolitik gegründet, widmet sie sich heute thematisch auch konkreten Anwendungsfeldern wie Urbanisierung und Digitalisierung. Grundlage der DCPI ist die „Gemeinsame Erklärung zum Aufbau einer Deutsch-Chinesischen Plattform Innovation“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das chinesische Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST) haben Anfang 2012 Expertengruppen benannt, die die fachliche Ausgestaltung des Innovationsdialogs unterstützen. Für dieUmsetzung der DCPI sind auf deutscher Seite der DLR-Projektträger und auf chinesischer Seite die Chinesische Akademie für Wissenschaft und Technik für Entwicklung (CASTED) beteiligt.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 1.422 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und China aus. 222 deutsche Hochschulen kooperieren mit 348 chinesischen Hochschulen und 33 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019).

Ein Leuchtturm-Projekt der Deutsch-Chinesischen Hochschulkooperation ist die Chinesisch-Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW). Sie wurde 2004 gegründet und ist seit 2011 Teil der Chinesisch-Deutschen Hochschule (CDH), die im selben Jahr an der Tongji-Universität etabliert wurde. Die CDHAW bietet vierjährige deutsch-chinesische Doppelabschlussprogramme (Bachelor) nach dem deutschen Fachhochschul-Modell in den Studiengängen Mechatronik, Fahrzeugtechnik, Gebäudetechnik und Wirtschaftsingenieurwesen an. Die Curricula sind von chinesischen und deutschen Fachkoordinatoren gemeinsam erarbeitet. Bis zu 30 Prozent der Lehrveranstaltungen werden von deutschen Lehrkräften und Lehrbeauftragten aus der Industrie abgehalten. Träger der CDHAW sind die Tongji-Universität und ein Konsortium von 28 deutschen Fachhochschulen. Die CDH fungiert seit 2011 als gemeinsames Dach für die bis dahin separat agierenden Teileinrichtungen CDHAW, Chinesisch-Deutsches Hochschulkolleg (CDHK, gefördert vom AA) und Chinesisch-Deutsches Institut für Berufsbildung (CDIBB). Sie bietet über den Chinesisch-Deutschen Campus (CDC) eine Plattform und Serviceeinrichtung für alle anderen deutsch-chinesischen Projekte an der Tongji-Universität.

Internationale Mobilität von und nach China wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

Das Verhältnis der DAAD-Geförderten aus China und Deutschland ist relativ ausgewogen. 2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in China an 1.232 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 345 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 1.203 und 330 Geförderte aus China eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren.

Die AvH fördert ausländische Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aller Fächer und Länder, die mit Hilfe von Forschungsstipendien und -preisen in Deutschland tätig werden. 2018 vergab die AvH 4 Forschungspreise an Geförderte aus China, bei den Forschungsstipendien liegt China mit 97 Geförderten in der Förderbilanz der AvH an erster Stelle.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) kooperiert seit 1974 und somit seit 45 Jahren mit wissenschaftlichen Partnern in China, insbesondere mit der Chinese Academy of Sciences (CAS), mit der die MPG eine privilegierte und strategische Partnerschaft verbindet. Im Zuge einer Diversifizierung der China-Kooperation wird zudem die Zusammenarbeit mit Top-Universitäten (z.B. Peking University) und Hongkong verstärkt. 2014 wurde ein Memorandum of Understanding mit der Chinese Academy of Social Sciences (CASS) unterzeichnet. Die MPG beherbergte 2018 1.181 chinesische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 123 Projekte mit Partnern in China durch.

Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) unterhält seit 1999 eine Repräsentanz in Peking. Hauptzielgruppen der Zusammenarbeit sind deutsche sowie chinesische Unternehmen sowie exzellente chinesische wissenschaftliche Einrichtungen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) betreibt seit dem Jahr 2003 ein Büro in Peking zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen der Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft in China. Im Rahmen einer seit dem Jahr 2006 laufenden Vereinbarung mit dem China Scholarship Council (CSC) haben sich seit 2007 etwa 50 Doktoranden/innen pro Jahr zu Ausbildungs- und Forschungsaufenthalten an Helmholtz-Zentren aufgehalten. In den Helmholtz-Zentren arbeiten inzwischen über 1100 junge chinesische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, unter ihnen mehr als zehn Nachwuchsgruppenleiter/innen. Ebenfalls wurden mehr als zehn Wissenschaftler/innen aus Helmholtz Zentren im Rahmen des seit dem Jahr 2008 laufenden, sog. Top-1000-Talente-Programms der chinesischen Regierung angeworben.

Andere Ressorts sind ebenfalls aktiv. So kooperieren das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unter dem Dach des Deutsch-Chinesischen Forums für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit auf Ministerebene mit der National Development and Reform Commission, unter anderem in Arbeitsgruppen zu den Themen Energie, Umwelttechnik und Kreislaufwirtschaft, Medizinwirtschaft und Biotechnologie. Hauptfokus in den Arbeitsgruppen auf höherer ministerieller Arbeitsebene ist die Unternehmenszusammenarbeit, aber durchaus auch der Austausch von Experten.

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-chinesische Kooperation tragen und unterstützen:

  • Das Chinesisch-Deutsche Zentrum für Wissenschaftsförderung (CDZ) ist eine als Joint-Venture gegründete Forschungsfördereinrichtung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der National Natural Science Foundation of China (NSFC) mit Sitz in Peking;
  • Der DAAD ist an drei Standorten vertreten (DAAD in China): „DAAD-Außenstelle Peking“, „DAAD-Informationszentrum Shanghai”, „DAAD-Informationszentrum Guangzhou”;
  • Fraunhofer hat seit 1999 eine Repräsentanz in Peking (Fraunhofer Representative Office Beijing)
  • Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA ist mit der Shanghai Jiao Tong University (SJTU) eine zunächst auf fünf Jahre angelegte Kooperation eingegangen, um das Shanghai Project Center for Smart Manufacturing aufzubauen. Die Unterzeichnung des Vorhabens fand am 14. Oktober 2017 statt.
  • Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) ist seit dem Jahr 2003 durch das Helmholtz-Büro in Peking repräsentiert. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt in langfristigen strategischen Projekten in den sechs Forschungsbereichen Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Information, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr;
  • Das 2005 gegründete CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology (PICB) ist rechtlich und administrativ ein Institut der Chinese Academy of Sciences (CAS). Organisatorisch gehört es zu den Shanghai Institutes for Biological Sciences (SIBS), dem größten biowissenschaftlichen Campus der CAS. Es ist nach dem Vorbild der Max-Planck-Institute aufgebaut und wird, wie diese, alle zwei Jahre durch einen international besetzten Fachbeirat evaluiert. MPG wird das Engagement am PICB bis Ende 2020 fortführen.
  • Zwei deutsche Max-Planck-Institute haben 2016 mit herausragenden Wissenschaftlern des Guangzhou Institute of Biomedicine and Health (GIBH) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften das Max Planck- GIBH Joint Center for Regenerative Biomedicine gegründet. Ziel ist es, beschädigte Zellen und Organe heilen und reprogrammierte Stammzellen (iPS) in die klinische Anwendung bringen.

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