StartseiteLänderAsienJapanZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Japan

Grundlage der bilateralen Kooperation im Bereich Wissenschaft und Technologie zwischen Japan und Deutschland ist ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technologischem Gebiet (WTZ) von 1974. Als gemeinsame Forschungsschwerpunkte sind darin die Meeresforschung und -technologie, die Lebenswissenschaften sowie die Umweltforschung benannt. Gefestigt wird die Zusammenarbeit durch WTZ-Sitzungen, die in regelmäßigen Abständen organisiert werden. Die letzte (22.) Sitzung fand im November 2016 in Bonn statt. Zum Thema Autonomes Fahren unterzeichneten Staatsminister Tsuruho und BM Wanka am 12. Januar 2017 in Berlin ein Memorandum of Understanding (MoU).

Seit der Unterzeichnung des WTZ-Abkommens haben sich zahlreiche und weitgefächerte Kooperationen zwischen Deutschland und Japan entwickelt. Für Japan hat die Zusammenarbeit einen hohen Stellenwert: Deutschland liegt als Zielland für internationale Studierende nach älteren Daten auf Rang 4, als Ko-Publikationspartner sogar auf Rang 3.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Strukturmaßnahmen, Forschungsprojekte und 2+2-Projekte bereit. Im September 2017 führte das BMBF gemeinsam mit der Japan Science and Technology Agency (JST) eine 2+2 Förderbekanntmachung zum Thema Optik und Photonik durch.

Im Bereich „Automatisiertes und vernetztes Fahren“ und „Batterietechnologien“ wurden Absichtserklärungen unterzeichnet, um hier die Kooperation weiter zu vertiefen.

Die Kooperation mit Japan ist sowohl bilateral als auch multilateral ausgestaltet. Das BMBF beteiligt sich nach dem Auslaufen der europäischen Förderung weiterhin an der European Interest Group CONCERT-Japan, die 2014 gegründet wurde. In diesem Rahmen veröffentlicht die japanische Förderorganisation JST zusammen mit Ministerien und Förderorganisationen interessierter europäischer Länder jährlich eine gemeinsame Förderbekanntmachung. Aktuell finanzieren BMBF und JST mehrere Projektkonsortien mit deutscher und japanischer Beteiligung unter der 2016er Förderbekanntmachung „Food Crops and Biomass Production Technology".

Im April 2017 haben das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) und das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen der CEBIT die Hannover-Declaration zur Zusammenarbeit beider Länder im Bereich Industrie 4.0 unterzeichnet. Seitdem fördert das BMWi im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) bilaterale Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit japanischen Partnern. Die verantwortliche Förderorganisation auf japanischer Seite ist die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO), die dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) untersteht.

Zu dem Thema Künstliche Intelligenz konnten bereits zahlreiche Memoranda of Understanding (MoUs) zwischen deutschen und japanischen Forschungseinrichtungen unterzeichnet werden – darunter u.a. das MoU zwischen dem Berlin Big-Data-Center (BBDC) und RIKEN Center for Advanced Intelligence Project (RIKEN-AIP) sowie zwischen dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) und dem National Institute of Advanced Industrial Science and Technology AIST (Artificial Intelligence Research Center, AIRC).

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz weist 760 Kooperationen zwischen deutschen Hochschulen und japanischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus (Stand: August 2018). Eine besondere Rolle bei der deutsch-japanischen Hochschulzusammenarbeit spielt seit 2010 das HeKKSaGOn-Netzwerk. In diesem einzigartigen Verbund haben sich die Universitäten Göttingen und Heidelberg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit drei der führenden japanischen Hochschulen, den Universitäten Kyoto, Osaka und Tohoku, zusammengeschlossen. Zwischen 2010 und 2018 haben mehr als 1.500 Bachelor-, Master- und PhD-Studierende an Austauschprogrammen, Workshops und Sommer- oder Winterschulen teilgenommen. Die beteiligten Universitäten bauen die Kooperationen in Forschung und Lehre weiter aus.

Internationale Mobilität von und nach Japan wird durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert. 2017 ermöglichte der DAAD 752 Studierenden und Graduierten sowie 144 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrenden aus Deutschland einen Japanaufenthalt. Die entsprechende Anzahl der Geförderten aus Japan, denen der DAAD einen Deutschlandaufenthalt finanzierte, lag bei 246 beziehungsweise 108. Die AvH förderte 2017 die Mobilität von Forschenden von Deutschland aus nach Japan durch 9 Feodor Lynen-Stipendien. Zur Förderung der Mobilität in die entgegengesetzte Richtung wurden 14 Forschungspreise und Forschungsstipendien an Forschende aus Japan vergeben.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) förderte 2017 insgesamt drei internationale Graduiertenkollegs mit Japan. Der Eugen und Ilse Seibold-Preis der DFG wird seit 1997 in der Regel alle zwei Jahre an japanische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben, um das Engagement im bilateralen Austausch zu ehren.

Auch die großen außeruniversitären Forschungsorganisationen pflegen die deutsch-japanische Zusammenarbeit. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) registrierte für 2017 134 bilaterale Kooperationsprojekte der Max-Planck-Institute (MPIs) sowie 186 Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Japan. Die Fraunhofer Gesellschaft (FhG) führte 2017 165 Projekte mit japanischer Beteiligung durch. Sowohl MPG als auch FhG sind mit Forschungseinrichtungen vor Ort vertreten. Das Fraunhofer Project Center for Electroactive Polymers an dem National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) Kansai unter Beteiligung des Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) hat seine Arbeiten abgeschlossen (siehe unten).

Die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) hat durch ihre Förderprogramme (Übersicht für Deutschland) unter anderem bisher den Aufenthalt von etwa 3000 deutschen Forschenden in Japan ermöglicht (ab Promotionsphase). Sowohl DAAD als auch die AvH unterstützen die JSPS dabei, geeignete Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Deutschland auszuwählen. Die JSPS ist seit 1992 durch ein Auslandsbüro in Bonn vertreten, das vier Mal im Jahr einen Rundbrief zu japanischen Forschungsleistungen sowie Reformen in der Hochschul- und Forschungspolitik in deutscher Sprache veröffentlicht. Hier ist auch das Sekretariat der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V. angesiedelt, das den Kontakt zu den deutschen Alumni pflegt.

Abschließend ein Überblick über Vertretungen wichtiger deutscher Forschungs-, Förder und Mittlerorganisationen vor Ort in Japan:

  • Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus Tokyo (DWIH Tokyo) bildet ein Forum für die Organisationen der deutschen Wissenschaft und forschenden Wirtschaft in Japan. Es wird seit 2010 vom Auswärtigen Amt gefördert. Das DWIH Tokyo bietet individuelle Beratung, die Organisation von Veranstaltungen (u.a. Forschungs- und Bildungsmarketing) und die Organisation und Begleitung von Delegationsreisen nach Japan an. Außerdem koordiniert das DWIH Tokyo die Vergabe des German Innovation Award, der seit 2010 jährlich von zwölf technologieorientierten deutschen Unternehmen und der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) vergeben wird;
  • Das Deutsche Instiut für Japanstudien (DIJ Tokyo), das 1988 eröffnet wurde, gehört seit 2002 zu der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland;
  • Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist seit April 2009 als Mittlerorganisation mit einem Büro in Tokyo vertreten;
  • Der DAAD unterhält eine Außenstelle in Tokyo;
  • Fraunhofer unterhält ein Representative Office in Tokyo;
  • Fraunhofer Project Center NEMS / MEMS Devices and Manufacturing Technologies an der Tohoku University unter Beteiligung des Fraunhofer Institute for Electronic Nano Systems ENAS;
  • Max Planck-RIKEN Center for Systems Chemical Biology in Tokyo: Beteiligt sind neben der japanischen Forschungseinrichtung für Grundlagenforschung RIKEN das MPI für molekulare Physiologie und das MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Herzstück der Center-Aktivitäten sind die jährlichen Symposien, auf denen die gemeinsamen Arbeiten präsentiert werden. Die Laufzeit des 2011 eingerichteten Centers wurde nach positiver Evaluierung für weitere fünf Jahre bis 2021 verlängert;
  • Auf Initiative des MPIs für Kernphysik wird die Kooperation mit RIKEN weiter vertieft: 2019 nimmt ein neues MPG-PTB-RIKEN-Zentrum für Zeit, Konstanten und fundamentale Symmetrien in Tokio die Arbeit auf. Beteiligt sind zusätzlich das MPI für Quantenoptik sowie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB). Antworten auf fundamentale Fragen soll die gemeinsame Nutzung der Experimentalphysik liefern.
  • Max Planck-The University of Tokyo Center for Integrative Inflammology: Beteiligt sind neben der University of Tokyo fünf verschiedene MPIs. Auch hier liegt ein besonderes Augenmerk auf der Durchführung von jährlichen Symposien, in diesem Fall zum Thema „Inflammology and related diseases";
  • Max Planck - UBC - UTokyo Centre for Quantum Materials: Gegründet wurde das Center ursprünglich zwischen der MPG (MPI für Festkörperforschung) und der University of British Columbia. Die University of Tokyo trat im Februar 2017 als dritter Partner hinzu.

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