StartseiteLänderEuropaFrankreichZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Frankreich

Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung hat für Frankreich und Deutschland einen hohen Stellenwert. Aus französischer Perspektive liegt Deutschland als Herkunftsland für internationale Studierende in Frankreich unter den Top 10. Als Zielland für französische Studierende wie auch als Ko-Publikationsland für wissenschaftliche Veröffentlichungen platziert sich Deutschland unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt). Aus deutscher Perspektive liegt Frankreich sogar in allen drei Kategorien - als Herkunftsland, als Zielland wie auch als Ko-Publikationsland - jeweils unter den Top 5.

Seit der Unterzeichnung des Kulturabkommens zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik im Jahr 1954 sowie dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag von 1963 hat sich Frankreich zu Deutschlands wichtigstem Partner in der europäischen und internationalen Zusammenarbeit entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt über seine internationale Abteilung Mittel für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten und Workshops sowie für die Nachwuchsförderung bereit. In den Fachabteilungen werden Kooperationsprojekte und Infrastruktureinrichtungen mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten gefördert. Um gemeinsam handeln zu können, tauschen sich beide Länder zu den jeweiligen nationalen Forschungs- und Innovationsstrategien aus und setzen sich gemeinsam für einen exzellenzbasierten und international ausstrahlenden Europäischen Forschungsraum ein. Die Kooperation in Bildung, Forschung und Innovation hat bei den jährlich stattfindenden deutsch-französischen Ministerräten eine zentrale Stellung. Darüber hinaus werden seit 2002 regelmäßig Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation organisiert (letztes Forum 2018 in Berlin).

Mit der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH), dem Centre Marc Bloch (CMB) und der Deutsch-Französischen Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung ProTandem haben die beiden Staaten herausragende binationale Einrichtungen ins Leben gerufen, die für den Austausch in der Hochschulzusammenarbeit, der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung sowie der Berufsbildung stehen. Die Zahl der von der DFH geförderten Deutschen, die in ein binationales Studienprogramm eingeschrieben waren, lag 2017 bei 2.513.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 3.077 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Frankreich aus. 260 deutsche Hochschulen kooperieren mit 384 französischen Hochschulen und 19 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019). Hier ist der erste allein von Hochschulen getragene Europäische Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) Eucor - The European Campus hervorzuheben, zu dem sich 2015 die Hochschulen Freiburg, Haute-Alsace, Strasbourg, Basel sowie das Karlsruher Institut für Technologie zusammengeschlossen haben.

Internationale Mobilität von und nach Frankreich wird auf nationaler Ebene durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsch-Französische Hochschule (DFH), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

  • Das ERASMUS Plus-Programm fördert Mobilität in beide Richtungen in großem Umfang: Zwischen 2016-18 erhielten 5.442 Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten sowie 461 Hochschullehrkräfte und Mitglieder des Hochschulpersonals aus Deutschland Finanzierung für einen Aufenthalt in Frankreich. Im Gegenzug kam die ERASMUS-Finanzierung für Aufenthalte in Deutschland 4.783 bzw. 255 Geförderten aus Frankreich zugute.
  • 2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Frankreich an 601 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 281 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 428 und 108 Geförderte aus Frankreich eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren.
  • Die AvH fördert ausländische Spitzenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aller Fächer und Länder, die mit Hilfe von Forschungsstipendien und -preisen in Deutschland tätig werden. 2018 vergab die AvH 18 Forschungsstipendien und 3 Forschungspreise an Geförderte aus Frankreich.
  • Bei der DFG genießt die Kooperation mit Frankreich einen hohen Stellenwert, die sich unter anderem in gemeinsamen jährlichen Ausschreibungen mit der ANR niederschlägt. Bei den internationalen Graduiertenkollegs der DFG ist Frankreich an zwei Kooperationen beteiligt. Bei den DFG-Forschungsstipendien für deutsche Post Docs belegte Frankreich als Zielland 2018 mit 30 Stipendien im Ländervergleich Rang 8.

Die vier großen deutschen Forschungsorganisationen pflegen die Zusammenarbeit mit Frankreich seit Langem intensiv und haben alle ein Kooperationsabkommen mit der größten französischen Forschungseinrichtung CNRS.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beherbergte 2018 325 französische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 437 Projekte mit Partnern aus Frankreich durch. Besonders eng ist die Kooperation mit dem CNRS. Die MPG unterhält in Kooperation mit Sciences Po Paris ein sozialwissenschaftliches Forschungscenter (siehe unten).

Seit vielen Jahren besteht eine enge Verbindung der Fraunhofer-Gesellschaft zu der „Association des Instituts Carnot“ AIC. Derzeit gibt es 29 Carnot-Institute und 9 assoziierte Carnot-Institute. Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik (ILT) unterhält eine Außenstelle in Frankreich, und weitere Fraunhofer-Institute pflegen enge Beziehungen zu französischen Forschungseinrichtungen oder Industriepartnern, unter anderem in Form von virtuellen Instituten. Des Weiteren wurden in drei Ausschreibungsrunden von 2008 bis 2015 vom BMBF und den französischen Partnern 24 Projekte gefördert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) pflegt seit über 40 Jahren intensive Beziehungen zu französischen Forschungseinrichtungen. Hier ragt vor allem die Zusammenarbeit in der Medizin und Gesundheitsforschung heraus, aber auch in den Bereichen physikalische Grundlagenforschung, Luftfahrtforschung, Raumfahrtforschung, Meeresforschung und Geowissenschaften bestehen langjährige Partnerschaften.

Die Leibniz-Gemeinschaft pflegt ebenfalls enge Kooperationsbeziehungen zu Frankreich auf verschiedenen Ebenen. Wichtige Kooperationsthemen sind Biodiversität, Nahrungsmittel, Umwelt, Klimawandel, Landwirtschaft, Bodenbewirtschaftung/Agronomie und Wirtschaftsforschung.

Das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die Förderagentur Bpifrance bieten kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) in Deutschland und Frankreich Unterstützung für die gemeinsame Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren und technischer Dienstleistungen an. In Deutschland erfolgt die Förderung im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM).

Unter den Bundesländern pflegen besonders Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland die Partnerschaft zu Frankreich. Ein Abkommen zur Kooperation in Forschung, Wissenschaft und Innovation unterzeichneten Bayern und Frankreich 2015.

Es folgt eine Auswahl von Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-französische Kooperation tragen und unterstützen:

  • Centre Virchow-Villermé (CVV)– Forschungseinrichtung für Public Health zwischen der Charité Berlin und der Université Sorbonne Paris Cité mit Sitz in Paris und Berlin;
  • Coopération Laser Franco-Allemande (CLFA) – Französisch-Deutsche Kooperation des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik (ILT) mit mehreren französischen Partnern seit 1997; gemeinsame Nutzung von Infrastruktur in Aachen, Nantes, Ecole des Mines de Paris in Evry sowie weiteren Standorten;
  • Deutsches Forum für Kunstgeschichte (DFK) in Paris – Institut der Max Weber Stiftung;
  • Deutsches Historisches Institut Paris (DHIP) – Institut der Max Weber Stiftung;
  • Deutschlandzentrum Paris (CIDAL) – Informationszentrum der Deutschen Botschaft Paris;
  • Interdisziplinäres Zentrum für Deutschlandforschung (Centre interdisciplinaire d’études et de recherches sur l’Allemagne, CIERA); mitfinanziert vom DAAD;
  • „Max Planck-Sciences Po Center on Coping with Instability in Market Societies“, eingerichtet vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und der Universität Sciences Po Paris.

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