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Überblick zur internationalen Kooperation: Kanada

Das Ministerium „Global Affairs Canada“ ist zuständig für die internationale Zusammenarbeit und gibt dazu politische Ziele vor. Zwei Strategien aus dem Jahr 2014 sind hier relevant: „Canada’s International Education Strategy“ sowie die Forschungsstrategie „Seizing Canada's Moment: Moving Forward in Science, Technology and Innovation“.

Auslandsaufenthalte in beide Richtungen fördert das Canadian Bureau for International Education (CBIE). Kanadas internationale Bildungsstrategie hatte 2014 angesichts der Alterung der kanadischen Erwerbsbevölkerung die folgenden Ziele festgelegt:

  • Steigerung der Anzahl der internationalen Schülerinnen und Schüler sowie der internationalen Studierenden auf 450.000 bis 2022.
  • Förderung dauerhafter Integration von internationalen Studienabsolventinnen und -absolventen in Kanada.

Nach jüngsten Daten ist die Zahl der internationalen Schülerinnen, Schüler und Studierenden so stark gewachsen, dass Kanada das erste Ziel bereits im Jahr 2017 übertreffen konnte. Besonders hoch waren die Zuwächse aus Vietnam, Indien und dem Iran (Pressemitteilung). 

Internationale Vergleichszahlen liegen allerdings nur zu Anzahl und Anteil der internationalen Studierenden vor, die einen Abschluss anstreben. Mit insgesamt 189.000 internationalen Studierenden und einem Anteil von 12 Prozent übertraf Kanada im Jahr 2016 deutlich den OECD-Durchschnitt von 6 Prozent. Unter den Promovierenden in Kanada hatte sogar jede(r) Dritte einen internationalen Hintergrund. Der Anteil der kanadischen Studierenden, die im Ausland einen Abschluss anstrebten, lag mit 3 Prozent ebenfalls über dem OECD-Durchschnitt (siehe Bildungsindikatoren, Klick auf Grafik oben).

Führende Herkunftsländer sind China, Indien, Frankreich, die USA und Nigeria. Die führenden Zielländer für kanadische Studierende sind die USA, Großbritannien, Australien, Frankreich und Irland (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Zu Deutschland als Zielland fehlen aktuelle Daten, nach den UNESCO-Daten von 2015 läge Deutschland als Zielland für 789 kanadische Studierende auf Rang 8 etwa gleichauf mit Saudi-Arabien.

Im Juni 2017 wurde von der kanadischen Regierung die „Global Skills Strategy“ veröffentlicht. Hintergrund ist, dass die globale Nachfrage nach hochqualifizierten Nachwuchskräften das Angebot übersteigt. Die „Global Skills Strategy” soll es allen in Kanada aktiven Unternehmen erleichtern, gut ausgebildete Arbeitskräfte anzuwerben.

Kanada hat das Instrumentarium zur Förderung der internationalen Rekrutierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern schrittweise ausgebaut. Die drei großen Fördereinrichtungen NSERC, SSHRC sowie CIHR fördern neben einheimischen Forschenden auch solche aus anderen Herkunftsländern, die sich in Kanada weiter qualifizieren und arbeiten möchten. 2010  wurde ein Programm aufgelegt, um Forschende von Weltrang, die im Ausland tätig sind, gezielt auf Lehrstühle in Kanada zu berufen („Canada Excellence Research Chairs Program“). 2017 wurde ein zweites Programm ergänzt (Canada 150 Research Chairs Program")..

In Kanada bestehen enge Forschungsbeziehungen zu den USA, den europäischen Ländern sowie zu Ländern des asiatisch-pazifischen Raums. Die internationale Ko-Publikationsrate Kanadas ist im Zeitraum von 1996 bis 2016 ähnlich wie in Deutschland und vielen anderen westlichen Industrieländern deutlich gewachsen, von 32,5 Prozent auf 51,7 Prozent (zum Vergleich: in Deutschland von 31,7 Prozent auf 49,6 Prozent, Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved January, 17, 2018, from www.scimagojr.com).

Zu den fünf wichtigsten Ko-Publikationsländern der letzten drei Jahre zählen die USA, gefolgt in weitem Abstand von China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2016-18).

Seit 1996 besteht ein Abkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen Kanada und der Europäischen Union. Aktuelle Informationen können auf der Webseite der EU zur Kooperation mit Kanada im Bereich Forschung und Innovation abgerufen werden. Ausschlaggebend für die zukünftige Zusammenarbeit ist die Roadmap for EU-Canada Science and Technology Cooperation", die im November 2018 beschlossen wurde. Folgende Fachgebiete wurden als prioritär festgelegt: Arktis, Meere,  Luft- und Raumfahrt, Energie, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Forschungsinfrastrukturen und Mobilität von Forschern. Dazu kommen Nanosicherheit und Technologien für globale Gesundheit sowie Gesundheitsforschung allgemein.

Kanadische Einrichtungen, die sich an erfolgreichen Projektkonsortien unter dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) beteiligen wollen, erhalten jedoch nur in Ausnahmefällen europäischen Fördergelder. Auch die kanadische Seite ko-finanziert nur im Falle ausgewählter Förderbekanntmachungen. Außerdem hat die Provinz Québec mit „PSR-SIRI“ ein passendes Programm zur Ko-Finanzierung von Partnern aus Québec. Kanada nutzt allerdings die Möglichkeit, in speziellen Fällen eine Finanzierung der EU zu erhalten: Bis September 2018 warb das Land europäische Fördergelder in Höhe von 7,6 Millionen Euro ein. Unter den insgesamt 183 Projekten, an denen sich Kanada bisher beteiligte, wies mit 92 Projekten die Hälfte auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Vertragsdatenbank).

Andere Varianten europäisch-kanadischer Kooperation setzen nicht auf eine Beteiligung an Projekten unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte zu finanzieren. Sofern sich kanadische Fördereinrichtungen an solchen multinationalen Public-Public Partnerships (P2Ps) beteiligen, können kanadische Partner gefördert werden. Derzeit beteiligt sich Kanada an 23 aktiven P2Ps, es wurden bislang 83 transnationale Förderinitiativen gestartet und 130 Projekte mit kanadischer Beteiligung gefördert (Übersicht ERA-LEARN Plattform, Stand Februar 2019). Der Schwerpunkt liegt im Bereich Gesundheit, da sich vor allem die Fördereinrichtungen CIHR (Canadian Institutes of Health Research) sowie FRQS (Fonds de la Recherche en Santé du Québec) stark engagieren.

Kanada wurde 2012 als assoziiertes Mitglied in EUREKA aufgenommen und trat im Mai 2016 dem Programm Eurostars bei. Vorhaben unter EUREKA und Eurostars werden über das Programm des National Research Council NRC-IRAP („Industrial Research Assistance Program“) gegenfinanziert.

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