StartseiteLänderAsienChinaZusammenfassungÜberblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik

Überblick zur Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft und -politik: China

Im weltweiten Vergleich belegt China bereits heute mit über 44 Millionen Studierenden und 1,74 Millionen Forschenden (Vollzeitäquivalente) klar den ersten Rang. In Bezug auf die Höhe der Gesamtausgaben für Forschung und Entwickung (FuE, 496 Milliarden USD kaufkraftbereinigt) und die Gesamtzahl der wissenschaftlichen Publikationen (508.000) liegt China zwar im Jahr 2017 noch auf Rang 2 hinter den USA, die FuE-Gesamtausgaben von 543 Milliarden USD und 626.000 wissenschaftliche Publikationen aufweisen. In wichtigen naturwissenschaftlichen und technischen Fachgebieten hat China jedoch bereits mehr Publikationen als die USA, während es vor Allem in Bezug auf die Medizin sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften noch hinter den USA zurückliegt (Quelle: SCImago (2007). SJR – SCImago Journal & Country Rank. Retrieved March 16, 2019, from http://www.scimagojr.com).

Es wird allgemein davon ausgegangen, dass China in Bezug auf Gesamtzahlen in wenigen Jahren die USA überholen und dann für lange Zeit unangefochten an der Spitze stehen wird. Etwas zurückhaltender stellt sich die chinesische Entwicklung in Bezug auf die FuE-Intensität dar: Chinas Anteil der gesamten FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2017 rund 2,1 Prozent und ist somit im Vergleich zu den Vorjahren kaum angestiegen. Bis 2020 wird ein Anteil von 2,5 Prozent angestrebt. Der Anteil der USA liegt bei 2,8 Prozent, einige andere Industrieländer wie Japan und Südkorea haben hier noch einen deutlicheren Vorsprung.

Der 19. Parteikongress hat im Oktober 2017 die Weichen für einen Generationswechsel gestellt und für die nächsten fünf Jahre ein neues Zentralkomitee, Politbüro und einen neuen Ständigen Ausschuss bestimmt. Die laufende Legislaturperiode von fünf Jahren begann mit der Tagung des 13. NVK im März 2018, und endet im Frühjahr 2023. Im zentralistisch regierten China unterstehen die für Forschung, Entwicklung und Bildung zuständigen Ministerien und Akademien sowie die Förderorganisationen direkt dem Staatsrat. Innerhalb des Staatsrates entscheidet die im Juni 1998 gegründete State Council's National Leading Group of National Science Education (kurz auch National Steering Committee) über die nationalen Strategien und Forschungsprogramme und koordiniert die Forschungspolitik der Ministerien und regionalen Regierungen. Die National Development and Reform Commission (NDRC) ist maßgeblich für die Formulierung der langfristigen und der Fünfjahrespläne zur nationalen Wirtschaftsentwicklung verantwortlich und nimmt damit auch auf die Forschungs- und Innovationspolitik großen Einfluss. Entsprechend der im Staatsrat entschiedenen Richtlinien formuliert das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (Ministry of Science and Technology - MoST) seinerseits Strategien und Bestimmungen zur Umsetzung der nationalen Politik. Das Bildungsministerium (Ministry of Education - MoE) als oberste Bildungsbehörde – mit nachgeordneten Regionalämtern/-kommissionen in den Provinzen und speziellen Verwaltungszonen – übt die Rahmenkompetenz für Struktur und Inhalt im Schul- und Hochschulwesen aus.

Die chinesische Regierung versucht durch verschiedene Reformen dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und der inländischen Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs gerecht zu werden. 2014 wurde hierfür eine Reform zur „Beschleunigung der Entwicklung moderner Berufsbildung“ und eine Entwicklungsstrategie für den Bereich Technical and Vocational Education and Training (TVET) ausgearbeitet.

Das Gros der chinesischen Hochschulen ist den jeweiligen Lokalregierungen des Landes zugeordnet. Dies ist unter anderem den Dezentralisierungsbemühungen im Bildungswesen zuzuschreiben. Dem nationalen Ministerium für Bildung (MoE) unterstehen, im Vergleich, nur eine geringfügige Anzahl von Institutionen. Forschung hat an den lokalen Hochschulen einen geringeren Stellenwert als an denen der Zentralregierung. Die Zahl der Bildungseinrichtungen belief sich 2016 auf insgesamt 2.879 Hochschulen. Ein wichtiges Ergebnis der Deregulierungspolitik mit Marktorientierung ist die zunehmende Einführung privater Bildungseinrichtungen und damit auch privater Hochschulen. Der Anteil privater Hochschulen lag 2012 bei etwa 14 Prozent. Die Zusammensetzung der Studiengebühren ist in China je nach Institution und Region sehr unterschiedlich.

Im Hochschulbereich verfolgt die chinesische Regierung verschiedene Reformziele. Die bereits vor zwei Jahrzehnten begonnene Exzellenzförderung für Hochschullehre und -forschung (Programme 211 und 985) wird ab 2017 unter einem neuen Programm fortgesetzt (Double World-Class Unversities"). Der Anteil eines Jahrgangs, der ein Bachelorstudium aufnimmt, soll auf von 33 auf 40 Prozent gesteigert werden. Und schließlich sollen ausgesuchte chinesische Hochschulen sich zukünftig auf  Berufsbildung spezialisieren und entsprechende Bachelor- und Master-Abschlüsse vergeben.

Regionale Schwerpunkte chinesischer Forschung und Innovation liegen traditionell im Süden und Osten des Landes. Das Portal Kooperation International bietet zu den folgenden chinesischen Hightech-Regionen Porträts an Shanghai, Shenzhen, Suzhou, Xuzhou und Zhongguancun (im Nordwesten Pekings).

Thematisch fokussiert sich China im FuE-Bereich auf Informationstechnologie, Nanotechnologie, Biotechnologie, Energie- und Umwelttechnologie. Wichtige Akteure in der Forschungs- und Innovationslandschaft sind die Chinese Academy of Sciences (CAS), welche als Organ des Staatsrats diesem im Rang eines Ministeriums unterstellt ist. Die National Natural Science Foundation of China (NSFC) ist mit der Administration des „National Natural Science Fund“ beauftragt. Für die Vergabe sonstiger Fördermittel werden häufig Projektträgereinrichtungen beauftragt. Das sind zum Beispiel die Projektträger des MoST, zu denen das  High Technology R&D Center (HTRDC) und das China Biotechnology Development Center (CBDC) gehört. Eigene Projektträger nutzen auch andere Ministerien, die Verantwortung für Wissenschaft und Forschung tragen, wie das Ministerium für Land und Ressourcen (MLR) und das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) sowie die National Health and Family Planning Commission (NHFPC).ie derzeitigen Hauptinnovationsziele für Wissenschaft, Technik und Innovation werden in verschiedenen politischen Strategien und Programmen formuliert („Medium-to-Long-Term Plan for the Development of Science and Technology (MLP)“, „Made in China 2025” sowie dem „13. Fünfjahresplan: 2016-2020“ und dem darauf aufbauenden spezifischen Fünfjahresplan für Wissenschaft, Technologie und Innovation). Hauptaugenmerk der chinesischen Regierung ist es, Förderungen im Bereich der Wissenschaft und Technologie vorzunehmen, um Technik-Innovationen im Industriesektor voranzutreiben. Inhaltlich sieht der allgemeine Fünfjahresplan eine Stärkung der Grundlagenforschung und eine verbesserte Einbindung der Hochschulen vor. Forschungskapazitäten der Hochschulen sollen eine kritische Masse erreichen, um besser marktfähige Innovationen hervorbringen zu können. Thematische Schwerpunkte des spezifischen Fünfjahresplanes sind Quantenkommunikation, Präzisionsmedizin, Agrarwirtschaft, saubere Energie und die sogenannten 5G-Technologien.

Ein wichtiges Merkmal des chinesischen Forschungssystems ist, dass Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen für den Aufbau von exzellenten Forschungskapazitäten in Form nationaler Plattformen Gelder einwerben können (seit 1984 „State Key Laboratories (SKL)“, seit Mitte der 90er Jahre „National Engineering Research Centers (NERC)“ und seit 2004 „National Laboratories (NL)“). Zukünftig einzurichtende „National Labs“ sollen deutlich größer sein, mehr Ressourcen bündeln und sich stärker interdisziplinär orientieren. Hierzu hat das chinesische Ministerium für Wissenschaft und Technologie Ende 2017 eine offizielle Meldung herausgegeben, demnach in den nächsten Jahren insgesamt sechs „National Research Center“ geplant sind.

Im Jahr 2015 kündigte die chinesische Regierung eine durchgreifende Reform zur Forschungs- und Innovationsförderung für die zentrale Ebene an: Förderprogramme werden ab 2017 in fünf großen Kategorien gebündelt. Über die Entwicklung der Förderprogramme und die Ausstattung mit Ressourcen entscheidet zukünftig ein interministerielles Komitee (Interministerial Joint Committee – IMJC), dem insgesamt 31 Ministerien und Abteilungen angehören. Das Komitee tagt unter dem Vorsitz des MoST und dem Vizevorsitz des Finanzministeriums und der National Development and Reform Commission (NDRC).

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