StartseiteLänderEuropaPolenZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Polen

Ein Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) wurde bereits 1990 zwischen Deutschland und Polen geschlossen. Seitdem hat sich die Kooperation dynamisch entwickelt. Auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) federführend. Für Polen hat die Zusammenarbeit mit Deutschland einen herausragenden Stellenwert. Aus polnischer Perspektive liegt Deutschland als Herkunftsland für internationale Studierende weltweit an achter Stelle, als Zielland für polnische Studierende an erster Stelle und als Ko-Publikationspartner für wissenschaftliche Veröffentlichungen an zweiter Stelle (siehe unter Überblick zur Internationalen Kooperation). In den bilateralen Beziehungen legten die beiden Länder zunächst einen Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit, zu dem bisher 2011 und 2016 zwei bilaterale Förderbekanntmachungen veröffentlicht wurden. Zudem war BMBF wiederholt auf der internationalen Umweltmesse „POL-ECO-SYSTEM" in Posen vertreten, um die Arbeit deutscher Aussteller aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu präsentieren.

Im 25. Jubiläumsjahr des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages 2016 vereinbarten das BMBF und das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung (MNiSW) grundsätzlich eine engere Zusammenarbeit. Im Januar 2018 unterzeichneten die Ministerien eine Erklärung, nach der besonders der Technologietransfer in kleinen und mittleren Unternehmen mit einem gemeinsamen Förderprogramm beschleunigt werden soll. Im Rahmen der Fördermaßnahme „Deutsch-Polnische Kooperation zum Technologietransfer in der Digitalen Wirtschaft (DPT)" haben das BMBF sowie das National Centre for Research and Development (NCBR) im April 2018 eine erste gemeinsame Förderbekanntmachung lanciert.

Die Internationale Abteilung des BMBF fördert die deutsch-polnische Forschungskooperation bzw. deren Vorbereitung unter dem Förderprogramm „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelost- und Südosteuropa“ (MOEL-SOEL-Zusammenarbeit). Dabei geht es darum, Kooperationen zwischen den beiden Ländern im Rahmen größerer Konsortien so vorzubereiten, dass die Partner erfolgreiche Anträge für gemeinsame Forschungsprojekte unter BMBF-Programmen bzw. unter dem europäischen Rahmenprogramm Horizont 2020 stellen können.

Die deutsch-polnische Forschungskooperation findet nicht nur in bilateralen sondern auch innerhalb von multilateralen Projektkonsortien statt. Dies betrifft Projekte unter dem Rahmenprogramm Horizont 2020, aber auch ERA-NETs und gemeinsame Programminitiativen (siehe unter Überblick zur Internationalen Kooperation). Dabei fördert in der Regel BMBF die deutschen Projektpartner, während die polnischen Partner eine Förderung durch das NCBR oder das National Science Centre (NCN) erhalten. Konsortien mit deutsch-polnischer Beteiligung arbeiten z.B. unter dem ERA-NET NEURON, dem ERA-NET-TRANSCAN oder dem ERA-NET für Materialforschung und -innovation (M-ERA.NET) zusammen.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit (Stand: 08/2018) 1.522 offizielle Hochschulkooperationen zwischen deutschen und polnischen Hochschulen aus. 249 deutsche Hochschulen kooperieren mit 165 polnischen Hochschulen und 11 sonstigen Einrichtungen.

Internationale Mobilität zwischen Deutschland und Polen wird vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), der Alexander-von-Humboldt Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Seit 1997 ist der DAAD vor Ort durch eine Außenstelle in Warschau vertreten. Die Mobilität von Deutschland nach Polen  hat in den letzten Jahren zugenommen: Der DAAD förderte 2017 durch eigene Programme 556 Studierende und Graduierte sowie 244 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrende. Dazu kommt die ERASMUS-Förderung, die knapp 1.500 Studierenden, Hochschullehrenden und Hochschulpersonal aus Deutschland einen Aufenthalt in Polen ermöglichte.

In die Richtung von Polen aus nach Deutschland ist die Nachfrage allerdings noch größer: Unter eigenen Programmen unterstüzte der DAAD im Jahr 2017 904 polnische Studierende und Graduierte sowie 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrende. Die ERASMUS-Förderung erreichte zusätzlich über 3.000 Studierende, Hochschullehrende und Hochschulpersonal aus Polen.

Die AvH fördert Deutschlandaufenthalte renommierter ausländischer Forschender mit dem Alexander von Humboldt-Forschungspreis. Im Gegenzug vergibt die Foundation for Polish Science (FNP) seit 1996 jährlich den Alexander von Humboldt-Forschungspreis an deutsche Forschende, die einen Aufenthalt von 3-6 Monaten in Polen anstreben (Webseite FNP - Alexander von Humboldt-Forschungspreis).

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) engagiert sich stark für die deutsch-polnische Forschungskooperation. So unterstützt sie seit 2014 gemeinsam mit der polnischen Förderagentur für Grundlagenforschung, dem National Science Centre (NCN), bilaterale Forschungsprojekte durch das Beethoven-Programm. 2018 wurde die dritte Förderbekanntmachung veröffentlicht, zusammen mit einer speziellen Förderbekanntmachung in den Lebenswissenschaften (Webseite NCN Beethoven). Außerdem vergibt die DFG zusammen mit der Foundation for Polish Science (FNP) seit 2006 alle zwei Jahre den Copernicus-Preis jeweils an eine deutsche und eine polnische Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler. Ziel ist es, Verdienste um die bilaterale Kooperation zu würdigen (Webseite FNP Copernicus-Preis).

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat mit DIOSCURI 2017 ein personenzentriertes Förderprogramm für die Entwicklung wissenschaftlicher Exzellenz in Mittel- und Osteuropa gestartet. Die Aufgabe von DIOSCURI ist es, herausragende Forschende in die Lage zu versetzen, internationales Spitzenniveau zu erreichen. Zugleich soll das Programm innovative Forschungsfelder und internationale Exzellenzstandards in der Region Mittel- und Osteuropa etablieren und so dazu beitragen, das bestehende Leistungsgefälle mit Westeuropa zu überwinden und den Europäischen Forschungsraum insgesamt zu stärken (Webseite Max Planck – DIOSCURI).

Die Initiative in Polen hat Pilotcharakter, da Polen als erstes Land in Mittel- und Osteuropa das DIOSCURI-Konzept umsetzt. Im Juli 2017 unterzeichnete die MPG mit der polnischen Förderagentur für Grundlagenforschung National Science Centre (NCN) ein Abkommen, das die Einrichtung von bis zu zehn Zentren in Polen vorsieht (Webseite NCN - DIOSCURI, Artikel in der Fachzeitschrift Nature „Germany and Poland launch research ‘twinning’ effort“). Die Initiative wird von den Regierungen beider Länder anteilig getragen. Im November 2017 wurde die erste Förderbekanntmachung veröffentlicht. Sie richtete sich an Post-Docs jedweder Nationalität, die in Polen über einen Zeitraum von fünf Jahren Exzellenzzentren mit 300.000 Euro pro Jahr aufbauen, die mit ausgewählten deutschen Mentor-Institutionen kooperieren sollen. Eine zweite Förderbekanntmachung ist für Ende 2018 geplant.

Die Leibniz-Gemeinschaft und die Polnische Akademie der Wissenschaften PAN arbeiten auf der Grundlage eines Vertrags zusammen, der am 8. Juni 2010 geschlossen wurde.

Neben dem BMBF engagiert sich auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) seit längerem in der deutsch-polnischen Innovations- und Technologiekooperation. Im Juni 2016 nahm das BMWi gemeinsam mit dem damaligen polnischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung eine Erklärung über die bilaterale Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung und Innovation an, die als Basis für zukünftige gemeinsame Ausschreibungen dient. Auf deutscher Seite soll hierfür das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) genutzt werden.

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich in Polen und bindet Unternehmen vor Ort in die Berufsausbildung ein. So haben z.B. Volkswagen und Bosch in die Mechatronik- Ausbildung an ihrem Standort in Posen investiert. Die Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer unterstützt polnische Unternehmen dabei, Programme für die duale Berufsausbildung zu entwickeln (OECD Working Paper (2018) "Strengthening Innovation in Poland", S. 31).

Das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt ist ein Forschungs-, Analyse-, Informations- und Veranstaltungszentrum für polnische Kultur, Geschichte, Politik, Gesellschaft und die deutsch-polnischen Beziehungen im europäischen Kontext. Es wird durch den Bund und das Land Hessen getragen.

Die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS) wurde 2008 aufgebaut, um eine dauerhafte Förderquelle für bilaterale deutsch-polnische Vorhaben in den Geistes-, Kultur-, Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu schaffen. Träger sind der Bund und das Land Brandenburg. Der Bund hat für die DPWS ein Stiftungskapital in Höhe von 50 Millionen Euro bereitgestellt, Polen hat Zustiftungen in Höhe von 10 Millionen Euro geleistet. Die DPWS hat ihren Sitz in Frankfurt an der Oder.

Polen ist seit 2005 in Deutschland durch das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften vertreten. Es ist die erste der sieben Einrichtungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) im Ausland mit einem geschichtswissenschaftlichen Profil und eigenen Forschungsprojekten.

Deutschland ist vor Ort in Polen durch folgende Forschungseinrichtungen vertreten:

  • Das im September 2018 neu gegründete „Fraunhofer Project Center for Advanced Lightweight Technologies" (ALighT) ist eine Kooperation des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU mit der Technischen Universität Opole. Die neu gegründete Forschungsplattform soll helfen, hybride Leichtbaukomponenten insbesondere für die Automobilindustrie zu entwickeln (Pressemitteilung).
  • 2014 hat das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP, Sitz Frankfurt an der Oder) ein Labor für Materialforschung mit der Technischen Universität Posen eingerichtet (German – Polish Joint Lab of IHP and Poznań University of Technology).
  • 1993 wurde das Deutsche Historische Institut (DHI) in Warschau eröffnet, das zur bundesunmittelbaren Stiftung öffentlichen Rechts Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland gehört.
  • Das Collegium Polonicum in Slubice ist eine Hochschuleinrichtung für grenzüberschreitende Lehre und Forschung, die ab 1992 von der polnischen Adam-Mickiewicz-Universität in Posen und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder aufgebaut wurde. Gemäß einer Vereinbarung von 2002 wird das Institut von der Republik Polen sowie dem Land Brandenburg getragen.
  • Das 2002 gegründete Willy Brandt Zentrum für Deutschland- und Europastudien wird gemeinsam von der Universität Breslau und vom DAAD getragen. Die Forschung beleuchtet zahlreiche Aspekte der Geschichte und der Gesellschaften Deutschlands und Polens, die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen, sowie die Art und Weise, in der sich Kulturen und Literaturen gegenseitig durchdringen.

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