StartseiteLänderAmerikaBrasilienZusammenfassungÜberblick zur Kooperation mit Deutschland

Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Brasilien

Seit der Unterzeichnung des Regierungsabkommens zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit im Jahr 1969 haben sich zahlreiche und weitgefächerte Kooperationen entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt über seine internationale Abteilung Mittel für projektbezogene Mobilität von Forschenden sowie für Sondierungs- und Vernetzungsaktivitäten mit Brasilien bereit. Seit 2017 werden in Brasilien zwei Projekte zum Aufbau von gemeinsamen Forschungsinfrastrukturen gefördert. Die Initiativen untersuchen Fragestellungen zur Aquakultur und zu den Folgen des Klimawandels in Metropolregionen. In den BMBF-Fachabteilungen werden etwa 20 FuE-Verbundprojekte des BMBF in Kooperation mit Brasilien finanziert. Im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme "Bioökonomie International" ist Brasilien eines der Schwerpunktländer, dazu kommen Projekte zu wirtschaftsstrategischen Rohstoffen.

Die bilaterale WTZ wird auch vor dem Hintergrund der starken Präsenz deutscher Unternehmen in Brasilien durchgeführt. Unter den deutschen Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung (FuE) in Brasilien investieren, heben sich Siemens, Bosch und Bayer hervor (Weitere Informationen zu den FuE-Aktivitäten deutscher Unternehmen in Brasilien). Die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer (AHK Brasilien) ist im Land mit drei Hauptniederlassungen (AHKs São Paulo, Rio de Janeiro und Porto Alegre) und weiteren Nebenstellen vertreten. Sie unterstützt auch die Bestrebungen deutscher Unternehmen, Ausbildungen nach deutschem Standard als duale Ausbildungen in Betrieb und Schule durchzuführen.

Deutsche Hochschulen sind wichtige internationale Partner der brasilianischen Universitäten. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 651 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und Brasilien aus. 184 deutsche Hochschulen kooperieren mit 130 brasilianischen Hochschulen und 11 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019). Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat 2017 die Gründung des Deutsch-Brasilianischen Netzwerks für die Internationalisierung der Hochschulbildung (Rede Brasil-Alemanha Internacionalização do Ensino Superior, Rebralint) gefördert, für das sich eine Gruppe deutscher und brasilianischer Hochschullehrkräfte engagiert. Unter den Bundesländern ist Bayern, dessen Partnerregion São Paulo ist, besonders aktiv in der Kooperation mit Brasilien. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beherbergt seit 2007 das Bayerische Hochschulzentrum für Lateinamerika (BAYLAT), das die Vernetzung von bayerischen und lateinamerikanischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen fördert.

Eine Hochschule, die sich auf brasilianischer Seite in der Kooperation mit Deutschland engagiert, ist die Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS). 2017 wurde mit einer Förderung des DAAD ein Zentrum für Deutschland- und Europastudien in Porto Alegre eröffnet, das von der UFRGS sowie der päpstlich-katholischen Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul (PUC-RS) gefördert und getragen wird.

Die UFRGS koordiniert außerdem zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen den Forschungsverbund „Brazilian-German Collaborative Research Initiative in Manufacturing Technology“ (BRAGECRIM), der 2009 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und FINEP gegründet worden war (mittlerweile ist von brasilianischer Seite aus CAPES zuständig).  BRAGECRIM behandelt neben der Produktionstechnik auch die Felder Metrologie und Logistik sowie materialwissenschaftliche Themen. Zwischen 2009 und 2016 haben in dem Verbund mehr als 400 Forschende 29 gemeinsame Projekte durchgeführt. Beteiligt waren über 30 deutsche und brasilianische Universitäten, außeruniversitäre Einrichtungen und Unternehmen.

Die internationale Mobilität von und nach Brasilien wird durch den DAAD, die DFG sowie die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) gefördert.

2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt in Brasilien an 601 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 196 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 1.043 und 169 Geförderte aus Brasilien eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren.

Der DAAD führt auch die Geschäfte des Deutsche Wissenschafts- und Innovationshauses São Paulo (DWIH-SP, siehe unten). Er pflegt eine langjährige Zusammenarbeit mit der Förderagentur für Hochschulbildung, CAPES und dem Nationalen Forschungs- und Technologierat CNPq. Mit beiden Agenturen gibt es mehrere Abkommen und gemeinsame Auswahlverfahren. Das Abkommen mit CAPES wurde 2018 um weitere fünf Jahre verlängert. Um die neue CAPES-PRINT-Initiative (siehe vorheriger Abschnitt) zu unterstützen, hat der DAAD Stipendien für Forschungsaufenthalte an brasilianischen Hochschulen aufgelegt. Bedingung hierfür ist eine strategische Partnerschaft zwischen der deutschen Heimatuniversität der Promovierenden und der brasilianischen Institution. Außerdem tourten auf Einladung des DAAD 2018 zehn Vertreterinnen und Vertreter der forschungsstärksten brasilianischen Universitäten durch Deutschland, erneuerten Partnerschaften und warben um Promovierende. Auf brasilianischer Seite wird CAPES ab 2019 in 500 Lizenzen für Online-Deutschkurse im Rahmen des Programms „Idiomas sem Fronteiras – Alemã“ investieren.

Neu ist die Vereinbarung eines Abkommens zwischen dem DAAD und der renommierten brasilianischen Stiftung zur Forschungsförderung im Bundesstaat São Paulo (Fundação de Amparo à Pesquisa do Estado de São Paul, FAPESP) im Oktober 2018. Das Abkommen ermöglicht die Finanzierung von bilateralen Projekten über zwei Jahre, die gemeinsam von Forschungsteams in Deutschland und in São Paulo in allen Wissensgebieten durchgeführt werden.

Die DFG und CAPES kooperieren seit 1995 und führen gemeinsame Ausschreibungen durch, zuletzt im Bereich der Chemie und Industrie 4.0 (2018). Auch die FAPESP pflegt Kontakte zur DFG. Die DFG fördert derzeit ein internationales Graduiertenkolleg in Brasilien.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat 2016 eine gemeinsame Ausschreibung für deutsch-brasilianische Kooperationsprojekte von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) unter dem Zentralen Innovationsprogramm (ZIM) durchgeführt.

Die großen deutschen Forschungsorganisationen Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) sind vor Ort in Brasilien präsent (siehe unten). Für die FhG ist Brasilien ein wichtiger Markt. Fraunhofer-Einrichtungen, wie das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) waren unter anderem in die Beratung beim Aufbau neuer Innovationsstrukturen in Brasilien mit einbezogen (siehe unter Forschungs- und innovationspolitische Ziele und Programme). Die MPG beherbergte 2018 143 brasilianische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 53 Projekte mit Partnern in Brasilien durch. (Portal MPG Lateinamerika - Brasilien). Verschiedene Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft arbeiten, z.T. seit vielen Jahren und in zahlreichen Projekten mit brasilianischen Partnern zusammen.

Deutschland ist vor Ort in Brasilien durch folgende Forschungs-, Förder- und Mittlereinrichtungen vertreten:

  • Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo (DWIH-SP) wurde am 14. Februar 2012 vom damaligen deutschen Außenminister Guido Westerwelle eröffnet. Zu den Unterstützern zählen deutsche Förderagenturen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen, wie zum Beispiel die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Geschäftsführung liegt beim DAAD. Das DWIH-SP informiert über deutsche Wissenschaft und Forschung und wirbt in Brasilien für die Zusammenarbeit mit innovativen deutschen Organisationen und Firmen. Es ist im selben Gebäude wie die Hauptgeschäftsstelle der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer (AHK Brasilien) untergebracht und kooperiert eng mit dieser.
  • Die DAAD-Außenstelle Rio de Janeiro, die 1971 gegründet wurde.
  • Mit einer Förderung des BMBF wird seit 2017 „Mecila“, ein Maria Sibylla Merian International Centre for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences aufgebaut. Unter dem Oberthema „Conviviality in Unequal Societies: Perspectives from Latin America“ untersucht Mecila Formen und Konflikte des sozialen, politischen, religiösen und kulturellen Zusammenlebens in Lateinamerika und der Karibik unter Ungleichheitsbedingungen. Der Hauptsitz des Forschungszentrums wird in São Paulo eingerichtet, wo auch seine Hauptaktivitäten stattfinden. Die Koordination auf deutscher Seite hat die Freie Universität Berlin inne. Die gleichberechtigten Partner in Deutschland, Argentinien und Mexiko tragen dazu bei, die Aktivitäten des Zentrums regional zu streuen und sichtbarer zu machen.
  • Das Fraunhofer Liaison Office in São Paulo, das 2012 gegründet wurde, befindet sich im selben Gebäude wie DWIH und AHK.
  • Das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) unterhält ein Projektbüro in Brasilia. Ziel ist, die systematische Planung und Umsetzung von Innovationen in brasilianischen Unternehmen und Institutionen zu fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu erhöhen und deutsch-brasilianische Kooperationen im Bereich der angewandten Forschung zu stärken.
  • Seit 2017 betreibt das IPK gemeinsam mit dem Instituto Tecnológico de Aeronáutica (ITA) in São José dos Campos (Bundesstaat São Paulo) das Fraunhofer Project Center for Innovations in Advanced Manufacturing. Das ITA, das der Luftwaffe und somit dem Verteidigungsministerium untersteht, bildet Ingenieurinnen und Ingenieure aus und führt Forschungen durch. Das Fraunhofer Project Center befasst sich u.a. mit Produktions-/Fertigungstechnologien, Maschinen-/Steuerungstechnik und Automation im Herstellungs-/Montageverfahren von Flugzeugstrukturteilsystemen.
  • Das Fraunhofer Project Center on Software and Systems Engineering wurde im März 2012 durch das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) an der Universidade Federal da Bahia (UFBA) in Salvador (Bundesstaat Bahia) gegründet. Das Projekt wird 2019 nach sechsjähriger Laufzeit abgeschlossen.
  • Das Fraunhofer Project Center for Innovations in Food and Bioresources wurde 2012 durch das Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) an dem außeruniversitären Instituto de Tecnologia de Alimentos (ITAL), einer Forschungseinrichtung des Bundesstaates Sao Paulo, eingerichtet.
  • Ein Flaggschiffprojekt der deutsch-brasilianischen Kooperation in der Grundlagenforschung ist der 325 Meter hohe Klimamessturm Amazonian Tall Tower Observatory (ATTO), an dem das Max-Planck-Institut für Chemie, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie, das brasilianische Bundesinstitut für Amazonasforschung INPA (Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia) und die Universität des Staates Amazonas (Universidade do Estado do Amazonas, UEA) beteiligt sind. Ziel ist es, mit Hilfe von neuen Messdaten Rückschlüsse zur Bedeutung des Regenwaldes für die Chemie und Physik der Atmosphäre zu ziehen. ATTO wurde 2015 in Betrieb genommen. Die Kosten von rund 8,4 Millionen Euro für den ATTO-Bau und die ersten fünf Betriebsjahre teilen sich Deutschland und Brasilien.

Nach oben

Weitere Informationen
Abkommen
Bekanntmachungen
Links/Institutionen
Nachrichten

Eine Initiative vom

Projektträger