Überblick zur internationalen Kooperation: Vereinigtes Königreich (Großbritannien)

Für die internationale Bildungszusammenarbeit sind verschiedene Ministerien zuständig. Die britischen Hochschulen werden bei ihrem erfolgreichen Werben um internationale Studierende (Study UK Portal) durch den weltweit operierenden British Council und durch Universities UK International (UUKi), einen Zweig des Hochschulverbandes Universities UK, unterstützt und beworben. Ein weiteres wichtiges Gremium, das sowohl Hochschulen als auch internationale Studierende selbst unterstützt, ist der UK Council for International Student Affairs (UKCISA). 

Das Außenministerium hat für Studierende und Forschende aus Entwicklungsländern eine eigene Förderlinie (Chevening). Außerdem vergeben das Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit (Department of International Development, DFID) und das Bildungsministerium über die Commonwealth Scholarship Commission (CSC) Stipendien an Studierende und Forschende aus Ländern des Commonwealth.

Hochschulmarketing und Förderung waren bisher sehr erfolgreich: Das Vereinigte Königreich (Großbritannien) liegt als Zielland für internationale Studierende, die einen Abschluss anstreben, weltweit mit 432.000 Studierenden auf dem zweiten Platz hinter den USA. Mit einem Gesamtanteil von 18 Prozent internationaler Studierender (2016) übertrifft das Land deutlich den OECD-Durchschnitt, in der Promotionsphase erreicht der Anteil sogar über 40 Prozent (siehe Bildungsindikatoren, Klick auf Grafik oben).

Die führenden Herkunftsländer für internationale Studierende liegen ausnahmslos außerhalb Europas. Es sind China, Malaysia, Hong Kong, Indien und Nigeria. Erst danach folgen die USA und europäische Länder. Bisher genossen Studierende aus den EU-Ländern gewisse Privilegien in Bezug auf Studienfinanzierung („home fee status“), deren Fortbestand allerdings durch den Brexit fraglich geworden ist. Britische Studierende sind deutlich weniger mobil, ihre führenden Zielländer sind die USA, Australien, Frankreich, Irland und Kanada (Quelle: UNESCO Institute of Statistics Global Flow of Tertiary-Level Students, erfasst werden nur diejenigen Studierenden, die einen Abschluss im Ausland anstreben. Zu China als Zielland fehlen Daten). Zu Deutschland fehlen aktuelle Daten, nach den UNESCO-Daten (UIS.Stat) von 2015 liegt Deutschland als Zielland etwa gleichauf mit Irland auf Rang 4.

Die internationale Ko-Publikationsrate hat sich im Zeitraum von 1996 bis 2017 von 27,5 Prozent auf 54,6 Prozent praktisch verdoppelt. Zum Vergleich: In Deutschland nahm der Anteil von 31,7 auf 49,7 Prozent zu (Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved September, 17, 2018, from www.scimagojr.com). Die führenden Ko-Publikationsländer in den letzten drei Jahren waren die USA, gefolgt in weitem Abstand von Deutschland, China, Italien und Frankreich (Quelle: Scopus-Datenbank, Elsevier, Zeitraum 2016-18). China lag bisher auf Rang 4 und hat sich jetzt an die dritte Stelle geschoben.

Für die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung (FuE) ist das Wirtschaftsministerium (BEIS) federführend zuständig. Das BEIS hat in der Industriestrategie angekündigt, eine eigene Internationalisierungsstrategie für FuE in Abstimmung mit der Dachorganisation der Forschungsräte UKRI zu entwickeln.

Für den Aufbau und die Pflege von Kontakten vor Ort wird seit 2001 das Science and Innovation Network (SIN) genutzt, das über 100 Vertreterinnen und Vertreter in etwa 40 Ländern umfasst, die überwiegend an den britischen Botschaften postiert sind. Zukünftig sollen verstärkt internationale Abkommen mit anderen Ländern geschlossen werden bzw. bestehende internationale Abkommen nach dem Vorbild  von China zu bilateralen Forschungsstrategien weiter entwickelt werden.

Unterhalb der Regierungsebene waren bisher die Forschungsräte aktiv (Überblick zu den international orientierten Förderangeboten der Forschungsräte). Traditionell spielt die Zusammenarbeit mit den USA unter Abkommen, die die Forschungsräte mit der National Science Foundation (NSF) geschlossen haben, eine wichtige Rolle. Inzwischen wird durch die neue Dachorganisation UKRI ein stärker koordinierter internationaler Ansatz angestrebt.

Aktuelle internationale Förderbekanntmachungen mit britischer Beteiligung können auf einer Webseite von UUKi aufgerufen werden.

Die britische Regierung hat durch die Einrichtung von kürzlich aufgelegten Förderlinien ihr Interesse an internationaler Mobilität und Kooperation unterstrichen. Dazu gehört der mit 100 Mio. GBP ausgestattete Ernest Rutherford Fund, mit dessen Hilfe talentierter wissenschaftlicher Nachwuchs ins Land gelockt werden soll. Im Januar 2019 wurde der lang angekündigte Kooperationsfonds (Fund for International Cooperation, FIC) im Umfang von 110 Mio. GBP vorgestellt, aus dem bereits seit 2018 FuE-Vorhaben finanziert werden. Die Laufzeit endet 2021. Schwerpunktländer sind derzeit Australien, Kanada, Israel, Japan, China, die USA, Irland, Südkorea und Singapur (Überblick über FIC-Projekte Stand Januar 2019 sowie externe Einschätzung durch Universities UK International (UUKi)).

Weiterhin gibt es zwei Förderlinien, mit deren Hilfe das Vereinigte Königreich seiner Selbstverpflichtung nachkommt, verstärkt in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. 2014 hat die britische Regierung den Newton Fund und 2015 den Global Challenges Research Fund (GCRF) aufgelegt. In beiden Fällen werden größere Summen über einen längeren Zeitraum investiert (735 Mio. sowie 1,15 Milliarden GBP).

Als Mitgliedsland der Europäischen Union konnte sich das Vereinigte Königreich bisher an dem Programm zur Förderung der Bildungsmobilität ERASMUS+ und dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizont 2020 (2014-20) voll beteiligen. Bis September 2018 warb das Land europäische Fördergelder in Höhe von über 5 Milliarden Euro ein. Unter den insgesamt 6.451 Projekten, an denen sich das Vereinigte Königreich bisher beteiligte, wies mit 2.570 etwa 40 Prozent auch eine deutsche Teilnahme auf (Quelle: H2020-ECORDA-Datenbank).

Im Falle eines Hard Brexit, das heißt ohne ein Austrittsabkommen mit der EU müsste das Vereinigte Königreich als industrialisiertes Drittland eine Beteiligung von britischen Hochschulen, Unternehmen und Forschenden an Horizont 2020 ab dem Zeitpunkt des Austritts weitgehend selbst finanzieren. Aussagen zu einer Förderung unter dem Nachfolgeprogramm Horizont Europa ab 2021 können derzeit noch nicht getroffen werden, dazu müsste das Vereinigte Königreich mit der EU voraussichtlich eine neue Vereinbarung treffen.

Andere Varianten europäischer Kooperation setzen nicht auf einen gemeinsamen Fördertopf unter dem Rahmenprogramm der EU, sondern auf die Verbindung verschiedener nationaler Fördertöpfe, um gemeinsame Projekte im Rahmen von Public Public Partnerships (P2Ps) zu finanzieren. Derzeit ist das Vereinigte Königreich an mehr als 60 aktiven P2Ps beteiligt, darunter verschiedene ERA-NETs sowie gemeinsame Programminitiativen (siehe ERA-LEARN-Plattform). Das Land gehörte außerdem 1985 zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks zur Unternehmens- und Innovationsförderung EUREKA und beteiligt sich auch an dem gemeinsamen Förderprogramm Eurostars. Dabei wird das Vereinigte Königreich durch die Förderorganisation Innovate UK vertreten (EUROSTARS-Webseite Vereinigtes Königreich). Für den Zeitraum 2018/19 hat das Vereinigte Königreich zum dritten Mal den Vorsitz von EUREKA übernommen (UK EUREKA Chairmanship 2018/19).

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