Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Vereinigtes Königreich (Großbritannien)

Das Vereinigte Königreich (Großbritannien) hat bisher kein Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Deutschland geschlossen. Grundlage für die Kooperation ist ein Kulturabkommen von 1959. Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung hat für beide Länder einen hohen Stellenwert. Aus britischer Perspektive liegt Deutschland als Herkunftsland für internationale Studierende unter den Top 10. Als Zielland und auch als Ko-Publikationspartner platziert sich Deutschland sogar unter den Top 5 (siehe vorheriger Abschnitt). Dies gilt im Gegenzug auch für Deutschland, aus dessen Perspektive das Vereinigte Königreich ebenfalls als Zielland wie als Ko-Publikationsland unter den Top 5 liegt.

Mitarbeitende des britischen Science and Innovation Network (SIN Germany, siehe vorheriger Abschnitt) pflegen auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland vor Ort, die meisten Mitglieder des Team Germany sind an der britischen Botschaft in Berlin stationiert.

Auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) federführend. Das BMBF informiert auf einer eigenen Seite über die Auswirkungen des Brexit auf die Bildungs- und Forschungskooperation mit dem Vereinigten Königreich.

2017 wurde zusammen mit der britischen Fördereinrichtung Natural Environment Research Council (NERC) erstmals eine gemeinsame Förderbekanntmachung zur Arktisforschung veröffentlicht, unter der ab 2018 zwölf bilaterale Forschungsprojekte gefördert werden. Einbezogen sind 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an 32 akademischen Einrichtungen im Vereinigten Königreich und Deutschland.

Der Schwerpunkt der deutsch-britischen Forschungskooperation liegt insgesamt jedoch weniger auf bilateralen als auf multilateralen Projektkonsortien. Dazu gehören Projekte unter dem Rahmenprogramm Horizont 2020, aber auch ERA-NETs und gemeinsame Programminitiativen (siehe vorheriger Abschnitt). Dabei fördert in der Regel BMBF die deutschen Projektpartner, während die britischen Partner eine Förderung durch einen der Forschungsräte, z. B. den Medical Research Council (MRC) oder durch Innovate UK erhalten. Konsortien mit deutsch-britischer Beteiligung arbeiten so z. B. unter dem ERA-NET NEURON oder dem EUROSTARS-Programm zusammen.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit 1.692 offizielle Kooperationen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich aus. 250 deutsche Hochschulen kooperieren mit 173 britischen Hochschulen und 8 sonstigen Einrichtungen (Stand: 08/2019).

Eine besondere Initiative ist die Gründung der Forschungsallianz transCampus London - Dresden durch die beiden Universitäten King’s College London und die Technische Universität Dresden (TUD) im Jahr 2015. Die beiden Universitäten haben 2017 mit einer Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein internationales Graduiertenkolleg zum Thema „Immunologische und zellbasierte Strategien bei metabolischen Erkrankungen“ eingerichtet. Der Schwerpunkt von transCampus, der zunächst auf Medizin und Biotechnologie lag, wurde inzwischen auf Nachrichtentechnologie und Materialforschung ausgeweitet. Die University Oxford und vier Berliner Einrichtungen (die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Charité-Universitätsmedizin Berlin) haben im Dezember 2017 ebenfalls eine Forschungspartnerschaft geschlossen.

Internationale Mobilität zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich wird vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), der Alexander-von-Humboldt Stiftung (AvH) und der DFG gefördert.

Das ERASMUS Plus-Programm fördert Mobilität in beide Richtungen: Zwischen 2016-18 erhielten 5.258 Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten sowie 740 Hochschullehrkräfte und Mitglieder des Hochschulpersonals aus Deutschland Finanzierung für einen Aufenthalt im Vereinigten Königreich. Im Gegenzug kam die ERASMUS-Finanzierung für Aufenthalte in Deutschland 2.317 bzw. 371 Geförderten aus dem Vereinigten Königreich zugute.

2018 hat der DAAD unter eigenen Programmen Förderung für einen Aufenthalt im Vereinigten Königreich an 1.049 Studierende und Graduierte (inkl. Promovierende, Statusgruppen I-III) und 231 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Hochschullehrkräfte (inkl. Post-Docs, Statusgruppe IV) aus Deutschland vergeben. In den gleichen Kategorien erhielten 377 und 317 Geförderte aus dem Vereinigten Königreich eine Unterstützung des DAAD, um eine Aktivität im eigenen Land oder einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren.

Forschende, die ihren Lebensmittelpunkt im Vereinigten Königreich haben, sind unter den Humboldt-Forschungsstipendiaten der AvH in Deutschland sehr gut vertreten: Mit 42 Geförderten belegen sie hinter China und den USA zusammen mit Indien den dritten Platz. Die UK Humboldt Association pflegt die Beziehungen zu den britischen Alumni.

Auch als Zielland für Forschende ist das Vereinigte Königreich beliebt, wie die Daten zur Vergabe von DFG-Forschungsstipendien für Auslandsaufenthalte deutscher Post-Docs zeigen: Hier lag das Land 2018 mit 125 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Deutschland hinter den USA als Zielland an zweiter Stelle.

Die DFG pflegt auch über die Mobilitätsförderung hinausgehend intensiv die Kooperation mit dem Vereinigten Königreich. Sie hat zwei internationale Graduiertenkollegs mit britischer Beteiligung eingerichtet (siehe oben). Mit einigen britischen Forschungsräten hat die DFG Abkommen abgeschlossen, unter denen gemeinsame Förderbekanntmachungen veröffentlicht werden. Zudem haben die DFG und der Economic and Social Research Council (ESRC) zusammen mit der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR) und der Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO) ein gemeinsames multilaterales Programm zur Förderung der Zusammenarbeit in den Sozialwissenschaften eingerichtet (Open Research Area, ORA). Zwischen 2009 und 2019 wurden sechs Förderbekanntmachungen veröffentlicht.

2018 beherbergte die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 305 britische Nachwuchs- und Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler und sie führte 579 Projekte mit Partnern aus dem Vereinigten Königreich durch. Dies übertraf die Anzahl der Kooperationsprojekte mit Frankreich (437). Aus Sicht der MPG liegt das Königreich damit auf dem zweiten Rang hinter den USA.

Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer in London wurde 1971 gegründet und hat etwa 750 deutsche und britische Mitgliedsfirmen. Sie bietet Geschäftskontakte, Informationen sowie Ratschläge und hilft somit jährlich ca. 20.000 Unternehmen, neue Märkte zu erschließen bzw. ihre Exportaktivitäten zu erweitern.

Es folgt eine Auswahl von weiteren Einrichtungen vor Ort, die die deutsch-britische Kooperation tragen und unterstützen:

  • Der DAAD hatte bereits im Jahr 1927 eine Außenstelle in London eingerichtet, die 1952 wieder eröffnet wurde; damit ist dies die älteste Außenstelle des DAAD. Sie ist heute sowohl für das Vereinigte Königreich als auch für Irland zuständig.
  • 1976 wurde das Deutsche Historische Institut in London (DHI, German Historical Institute London, GHIL) eröffnet, das heute zur Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland gehört.
  • Zwei Max-Planck-Institute (MPIs) und das University College London (UCL) haben 2014 ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der Neuro- und Verhaltenswissenschaften in dem gemeinsamen Max Planck-UCL Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research gebündelt. Die Forschenden werden Daten zur Struktur und Funktion des Gehirns mit statistischen Methoden und Computermodellen auf detaillierte Verhaltensbeobachtungen einzelner Personen beziehen und daraus Prognosen über deren Entwicklung ableiten. Die Erkenntnisse des Zentrums sollen Auskunft darüber geben, wie sich geistige Leistungsfähigkeit im Alter möglichst lange erhalten lässt und wie psychische Krankheiten verhindert oder zumindest in ihrem Verlauf positiv beeinflusst werden können.
  • Das Max Planck-Cambridge Centre for Ethics, Economy and Social Change (Max-Cam)  wurde 2017 eingerichtet. Das Zentrum mit einem Budget von etwa 2,27 Mio. Euro wird von der University of Cambridge und zwei MPIs getragen. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie sich moralische und ethische Überzeugungen auf lokale Ökonomien auswirken und wie diese den globalen Kapitalismus beeinflussen.
  • Drei MPIs haben gemeinsam mit der University Bristol 2019 das Bristol Max Planck Centre in Minimal Biology gegründet. Die Forschungsgebiete Synthetische Biologie und die Minimalbiologie beschäftigen sich mit dem Übergang von unbelebter zu belebter Materie.
  • Die Fraunhofer UK Research Ltd. wurde im März 2012 als selbstständige britische Fraunhofer-Auslandsgesellschaft mit Sitz in Glasgow, Schottland gegründet. Im selben Jahr wurde das Fraunhofer Centre for Applied Photonics (Fraunhofer CAP) als erstes Fraunhofer Research Centre in dem Vereinigten Königreich eingerichtet. Beteiligt sind auf deutscher Seite das Fraunhofer Institut für angewandte Festkörperphysik (IAF) in Freiburg und auf britischer Seite die University of Strathclyde. Das Zentrum, das durch Mittel der schottischen Regierung unterstützt wird, bietet der Industrie Dienstleistungen an und engagiert sich in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

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