Überblick zur Kooperation mit Deutschland: Vereinigtes Königreich (Großbritannien)

Das Vereinigte Königreich (Großbritannien) hat bisher kein Abkommen zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Deutschland geschlossen. Grundlage für die Kooperation ist ein Kulturabkommen von 1959. Die Zusammenarbeit hat für beide Länder einen großen Stellenwert. Aus deutscher Perspektive liegt das Vereinigte Königreich als Zielland für Studierende sowie als Ko-Publikationspartner für wissenschaftliche Veröffentlichungen an zweiter Stelle (siehe vorheriger Abschnitt Überblick zur Internationalen Kooperation). Aus britischer Perspektive liegt Deutschland als Herkunftsland für 12.963 Studierende auf Rang sieben, als Zielland für 1.798 Studierende (2015) auf Rang vier, und als Ko-Publikationspartner an zweiter Stelle.

Mitarbeitende des britischen Science and Innovation Network (SIN Germany, siehe vorheriger Abschnitt) pflegen auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland vor Ort, die meisten Mitglieder des Team Germany sind an der britischen Botschaft in Berlin stationiert.

Auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) federführend. Das BMBF informiert auf einer eigenen Seite über die Auswirkungen des Brexit auf die Bildungs- und Forschungskooperation mit dem Vereinigten Königreich.

2017 wurde zusammen mit der britischen Fördereinrichtung Natural Environment Research Council (NERC) erstmals eine gemeinsame Förderbekanntmachung zur Arktisforschung veröffentlicht, unter der ab 2018 zwölf bilaterale Forschungsprojekte gefördert werden. Einbezogen sind 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an 32 akademischen Einrichtungen im Vereinigten Königreich und Deutschland.

Der Schwerpunkt der deutsch-britischen Forschungskooperation liegt insgesamt jedoch weniger auf bilateralen als auf multilateralen Projektkonsortien. Dazu gehören Projekte unter dem Rahmenprogramm Horizont 2020, aber auch ERA-NETs und gemeinsame Programminitiativen (siehe vorheriger Abschnitt). Dabei fördert in der Regel BMBF die deutschen Projektpartner, während die britischen Partner eine Förderung durch einen der Forschungsräte, z. B. den Medical Research Council (MRC) oder durch Innovate UK erhalten. Konsortien mit deutsch-britischer Beteiligung arbeiten so z. B. unter dem ERA-NET NEURON oder dem EUROSTARS-Programm zusammen.

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist derzeit (Stand: 08/2018) 1.691 offizielle Hochschulkooperationen zwischen deutschen und britischen Hochschulen aus. 248 deutsche Hochschulen kooperieren mit 167 britischen Hochschulen und sonstigen Einrichtungen.

Eine besondere Initiative ist die Gründung der Forschungsallianz transCampus London - Dresden durch die beiden Universitäten King’s College London und die Technische Universität Dresden (TUD) im Jahr 2015. Die beiden Universitäten haben 2017 mit einer Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein internationales Graduiertenkolleg zum Thema „Immunologische und zellbasierte Strategien bei metabolischen Erkrankungen“ eingerichtet. Der Schwerpunkt von transCampus, der zunächst auf Medizin und Biotechnologie lag, wurde inzwischen auf Nachrichtentechnologie und Materialforschung ausgeweitet. Die University Oxford und vier Berliner Einrichtungen (die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Charité-Universitätsmedizin Berlin) haben im Dezember 2017 ebenfalls eine Forschungspartnerschaft geschlossen.

Internationale Mobilität zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich wird vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), der Alexander-von-Humboldt Stiftung (AvH) und der DFG gefördert. Seit 1953 ist der DAAD vor Ort durch eine Außenstelle in London vertreten. Die Mobilität von Deutschland in das Vereinigte Königreich ist stark ausgeprägt. So förderte der DAAD 2017 durch eigene Programme 1.041 Studierende und Graduierte sowie 211 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrkräfte. Das ERASMUS-Programm ermöglichte zwischen Juni 2016-18 zusätzlich über 5.000 Studierenden und über 700 Hochschullehrkräften bzw.Hochschulpersonal aus Deutschland einen Aufenthalt im Vereinigten Königreich.

In die Richtung vom Vereinigten Königreich aus nach Deutschland ist die Nachfrage allerdings geringer: Unter eigenen Programmen unterstützte der DAAD im Jahr 2017 311 britische Studierende und Graduierte sowie 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (einschließlich Post-Docs) und Hochschullehrende. Die ERASMUS-Förderung von britischer Seite erreichte zwischen Juni 2016-18 zusätzlich über 2.300 Studierende sowie 371 Hochschullehrkräfte bzw. Hochschulpersonal aus dem Vereinigten Königreich, die nach Deutschland kamen.

Britische Forschende sind unter den Humboldt-Forschungsstipendiaten der AvH in Deutschland sehr gut vertreten: Sie nehmen hinter China und den USA den dritten Platz ein. Die UK Humboldt Association pflegt die Beziehungen zu den britischen Alumni.

Auch als Zielland für Forschende ist das Vereinigte Königreich beliebt, wie die Daten zur Vergabe von DFG-Forschungsstipendien für Post-Doc-Aufenthalte zeigen: Hier lag das Land mit 133 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Deutschland hinter den USA als Zielland an zweiter Stelle.

Die DFG pflegt auch über die Mobilitätsförderung hinausgehend intensiv die Kooperation mit dem Vereinigten Königreich. Sie hat zwei internationale Graduiertenkollegs mit britischer Beteiligung eingerichtet (siehe oben). Mit einigen britischen Forschungsräten hat die DFG Abkommen abgeschlossen, unter denen gemeinsame Förderbekanntmachungen veröffentlicht werden. Zudem haben die DFG und der Economic and Social Research Council (ESRC) zusammen mit der französischen Agence Nationale de la Recherche (ANR) und der Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO) ein gemeinsames multilaterales Programm zur Förderung der Zusammenarbeit in den Sozialwissenschaften eingerichtet (Open Research Area, ORA). Zwischen 2009 und 2017 wurden fünf Förderbekanntmachungen veröffentlicht.

Die Anzahl der von der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) gemeldeten Kooperationsprojekte mit dem Vereinigten Königreich übertraf im Jahr 2017 die Anzahl der Kooperationsprojekte mit Frankreich. Mit 575 Projekten lag das Land auf dem zweiten Rang hinter den USA.

Die „Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer“ in London wurde 1971 gegründet und hat etwa 750 deutsche und britische Mitgliedsfirmen. Sie bietet Geschäftskontakte, Informationen sowie Ratschläge und hilft somit jährlich ca. 20.000 Unternehmen, neue Märkte zu erschließen bzw. ihre Exportaktivitäten zu erweitern. Deutschland ist vor Ort durch folgende Förder-, Mittler- und Forschungseinrichtungen im Bereich Forschung und Innovation vertreten:

  • Der DAAD hatte bereits im Jahr 1927 eine Außenstelle in London eingerichtet, die 1952 wieder eröffnet wurde; damit ist dies die älteste Außenstelle des DAAD. Sie ist heute sowohl für das Vereinigte Königreich als auch für Irland zuständig.
  • 1976 wurde das Deutsche Historische Institut (DHI, German Historical Institute London, GHIL) in London eröffnet, das heute zur Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland gehört.
  • Ab 2014 haben die MPG und das University College London (UCL) ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der Neuro- und Verhaltenswissenschaften in dem gemeinsamen Max Planck-UCL Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research gebündelt. Die Forschenden werden Daten zur Struktur und Funktion des Gehirns mit statistischen Methoden und Computermodellen auf detaillierte Verhaltensbeobachtungen einzelner Personen beziehen und daraus Prognosen über deren Entwicklung ableiten. Die Erkenntnisse des Zentrums sollen  Auskunft darüber geben, wie sich geistige Leistungsfähigkeit im Alter möglichst lange erhalten lässt und wie psychische Krankheiten verhindert oder zumindest in ihrem Verlauf positiv beeinflusst werden können.
  • Das Max Planck-Cambridge Centre for Ethics, Economy and Social Change (Max-Cam)  wurde 2017 eingerichtet. Das Zentrum mit einem Budget von etwa 2,27 Mio. Euro wird von der University of Cambridge und der MPG gemeinsam finanziert. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie sich moralische und ethische Überzeugungen auf lokale Ökonomien auswirken und wie diese den globalen Kapitalismus beeinflussen.
  • Das Max-Planck-Institut (MPI) für medizinische Forschung, das MPI für Biochemie sowie das MPI für Polymerforschung haben gemeinsam mit der University Bristol 2019 das Bristol Max Planck Centre in Minimal Biology gegründet. Die Forschungsgebiete Synthetische Biologie und die Minimalbiologie beschäftigen sich mit dem Übergang von unbelebter zu belebter Materie.
  • 2012 wurde das Fraunhofer Centre for Applied Photonics (Fraunhofer CAP) als erstes Fraunhofer Research Centre in dem Vereinigten Königreich eingerichtet. Beteiligt sind auf deutscher Seite das Fraunhofer Institut für angewandte Festkörperphysik (IAF) in Freiburg und auf britischer Seite die University of Strathclyde. Das Zentrum, das durch Mittel der schottischen Regierung unterstützt wird, bietet der Industrie Dienstleistungen an und engagiert sich in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

 

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